Sonntag, 11.05.03
Von Faro (Portugal) bis La Antilla (Spanien)
195 km, 38 Leuchtfeuer
Nachdem wir um 3:45 Uhr aufgestanden waren, um 5:00 von Ivana am Flughafen eingecheckt wurden, flogen wir um 6:00 ab gen Faro. Im Landeanflug hatten wir einen traumhaften Blick auf den Parque Nationale da Ria Formosa, ein Flussdelta was von oben sehr grün und sumpfig aussah. Wir konnten unsere Leuchtfeuer von oben sehen.
Der Flughafen war klein und übersichtlich. Die Temperatur war morgens um 8:00 noch sehr angenehm. Das konnte man von der Autovermietung vor Ort nicht behaupten. Man versuchte, uns eine Menge Versicherungen aufzuquatschen, obwohl die alle im Preis enthalten waren. Dafür war der Wagen für uns optimal, ein Ford Focus-Kombi. Genug Platz für Koffer, Fahrrad und Fotoausrüstung.
Auf zum 1. Feuer! Schon auf der Suche dahin merkten wir, dass die Portugiesen nicht viel von Straßenschildern hielten. Wir fuhren nach GPS durch düstere Stadtteile von Faro um ein Oberfeuer an einer Kirche zu finden. Also was wir von der Stadt Faro gesehen haben wäre keinen Urlaub wert. Einzig ein Lidl-Laden ließ unser Herz höher schlagen. Wir deckten uns mit Essen und Trinken ein. Die Touris werden wohl außerhalb am Strand unterbracht.
Nun feuerten wir im Delta und waren erstaunt das es nicht sumpfig war. Eher Brackwasser mit Salinen und Kanälen. Die Wege im Delta waren erwartet schlecht. Aber es gab ganz viele Störche, die uns in der Luft umkreisten.
Das Wetter war optimal: geschätzte 20°, meist Sonne, gute Weitsicht.
In Fuzeta sahen wir zum 1. Mal das richtige Meer. Das Delta lag hinter uns. Geschafft haben wir nicht viel: 3 ½ Stunden, 50 km und 10 Feuer. Portugal scheint nicht so einfach zu feuern sein wie Spanien, aber dahin sind wir ja auf dem Weg.
Taveira war der erste nettere Ort, nicht so herunter gekommen wie die anderen. Hier sind zwei große Sandbänke vorgelagert. Dort kann man schön am Strand liegen. (man - wir nicht!!) Die Sonne schien jetzt stetiger, es wurde warm, aber es ging ein schöner Wind.
Zwischen Taveira und Vila Real de San Antonio lagen öde 17 km Schnellstrasse. Doch in Vila Real wurden wir für die Fahrerei entschädigt. Der Ort liegt an der Grenzflussmündung. Auf der anderen Seite ist Spanien. Hier gibt es eine schöne Promenade am Jachthafen, mit netten Cafes und Restaurants. Ich überredete meinen "Chef" zu einer Tasse Kaffee. In Deutschland war es schon 16:00 und wir waren 12 Stunden unterwegs. Nach dem Espresso (-,50 ) fuhren wir auf die lange Mole, die den Fluss vom Strand trennt. Das Wasser ist schön klar, aber kalt. Atlantik eben. Außerdem herrscht Ebbe und Flut mit einem Tidenhub von ca. 2 m.
Weiter ging's Richtung Spanien. Hier fühlten wir uns wieder zu Hause. Die Sprache verständlicher, die Straßen besser, die Schilder lesbarer, alles irgendwie vertrauter. Wir freuten uns schon auf unsere erste spanische Übernachtung und auf Aijoli.
Der erste Ort hinter der Grenze heißt Ayamonte, ist touristisch nett erschlossen, aber - wieder ein Naturpark mit Inseln, Kanälen, Leuchtfeuern und Irrwegen. Da feuert man ja lieber Industriehäfen, da schafft man wenigstens was !
Um 19:40 waren wir auf einer der vorgelagerten Halbinsel Christina. Kein Zimmer in Sicht, nur Privathäuser und Appartements. Wir verließen die Insel Richtung Osten und kamen in den künstlich angelegten Ort La Antilla. Erst sah es gar nicht gut aus, nur Pauschalhotels, aber dann entdeckten wir eine Ecke mit ein paar Hostals, direkt am Strand. Wir entschieden uns für das Hostal Azul, wegen der Balkon Richtung Meer. Das Zimmer war blitzsauber und roch nach Reinigungsmittel (ich musste an Frau Schmelcher denken, die in ihrer spanischen Heimat immer das Putzmittel K7 kauft weil es alles wegätzt). Das Bad war schön, ein TV war vorhanden und wir konnten auf dem Balkon unseren rituellen Nescafe trinken und auf das Meer schauen. Der Preis von 40 Euro war ok.
Die Restaurants im Umkreis waren geschlossen, wahrscheinlich weil Sonntag war. Aber wer hatte natürlich auf- ein Chinese! Für 16.45 haben wir schön gespeist und getrunken. Nach einem kurzen Abstecher zum Meer fielen wir wie tot ins Bett.
Montag, 12.05.03
Von Piedras bis Higuera (Spanien)
198 km, 52 LF
Um 7:30 wachten wir auf. Nach Kaffee und üblichem Packstress mussten wir unsere Hostal-Besitzer aus dem Bett schmeißen damit sie uns raus lassen. Wer rechnet schon damit, dass Touris schon um 8:30 abreisen!
Das 1. Feuer des Tages war in Piedras, wieder eine Flussmündung. Ebenso in Puntal wo ich am Strand gesessen habe während Alex die lange Naturmole mit dem Rad befuhr. Es war noch etwas kühl, aber die Sonne stand am Himmel.
Nächstes Ziel: Huelva. Die Stadt liegt an einem Fluss. Auf der einen Seite ist eine ganz schmale Halbinsel, die ähnlich wie ein langer Finger ins Meer hinausragt. Die ersten 13 km auf dieser Halbinsel war die Straße gut asphaltiert, die nächsten 4 km wurde es schon arg holprig. Die letzten 6 km Strecke bestand aus einer Mole, die mit groben Kiesbetonplatten belegt war. Man durfte 40 km/h fahren aber 25 war schon zuviel. 23 km immer geradeaus, am Ende ein Leuchtturm und dann die 23 km wieder zurück. Danach brauchten wir einen "McDoof" um uns aufzuheitern.
Auf der anderen Seite des Rio Huelva waren nur Industrieanlagen. Aber die Feuer waren von der Straße aus mit dem Tele gut zu kriegen. Huelva scheint die Geburtsstadt von Columbus zu sein, an jeder Ecke steht ein Denkmal, Inka-Skulpturen und Statuen. An einem kleine Hafen waren Nachbauten der drei Schiffe, mit denen er nach Amerika gedüst ist (wir hatten keinen Michael-Müller-Reiseführer von Spanien bei, deshalb weiß ich bis heute nicht was Kolumbus mit Huelva verband).
Nächster Halt: Mazagon, ein nettes kleines Städtchen mit schönem Jachthafen. Um 16:00 hatten wir bereits über 40 LF geschossen und überlegten hier die Nacht zu verbringen, aber wir fanden auf Anhieb keine Pension und düsten weiter nach Malalascanas, der Ort, wo der Leuchtturm Higuera steht. Die Strecke dahin war 30 km lang und öde, nur Büsche und Gegend. Aber der Weg hat sich gelohnt, denn in der Nähe des LT waren ein paar Pensionen. Die hatten allerdings keine Balkons und die Suche ging weiter. Um 17:45 fanden wir die Pension Victoria. Großes Zimmer, große Terrasse, Kühlschrank, Fernsehen und tolles Bad. Wir hatten zwar kein Meerblick, aber vor unserer schönen Terrasse liefen hübsche Mädchen entlang, da hatte Alex was zu gucken.
In einem Restaurant am Meer aßen wir ein Menue del Dia. Das Tagesmenü war nicht gut, aber das Bier inklusive. Und der Preis von 19 war auch okay. Wir machten noch einen schönen Spaziergang im Park um den Leuchtturm und ließen den Abend in einem Pub ausklingen.
Dienstag, 13.05.03
Rio Guadalquivir
321 km 29 LF
Heute sollte der Fluss Guadalquivir mal eben abgefeuert werden. Bis hinauf nach Sevilla stehen die Leuchtfeuer. Weil laut Straßenkarte auf der östlichen Seite des Flusses eine Straße ist, stellte ich mir das folgendermaßen vor: Fahren, anhalten, knipsen, weiterfahren und - schwups - hat man alle 68 Feuer an einem Tag fertig. Aber ich hatte die Rechnung ohne den Leuchtfeuer-Chef gemacht! Auf der westlichen Flussseite erstreckt sich ein riesiges Naturschutzgebiet mit Feldern, Feldern, Feldern mit Wassergräben und Flussarmen dazwischen. Auf der Straßenkarte sah diese Seite aus wie eine große Sumpflandschaft. Keine einzige Straße ist eingezeichnet. Aber der Chef meinte, man kommt von der Seite auch an den Fluss.
Um 8:40 sind wir an der Küste gestartet und oh Wunder - um 11:00 waren wir am 1. Flussfeuer. Die Feldwege sind für die Landarbeit gemacht und führen um die Felder herum, aber nicht zum Fluss. Was wollen die Bauer auch da!?
Alex fuhr am Deich den Fluss per Rad entlang und feuerte bis wieder ein Nebenarm des Flusses abging und er nicht weiter kam.
Ich hoffte immer noch auf die andere Seite, auf der ich mir das Feuern ja sooo einfach vorstellte.
Nach 4 Stunden auf Schotterpisten im Naturschutzgebiet hatte uns die Zivilisation wieder. Wie das Kaff hieß? Keine Ahnung, an Feldwegen steht kein Ortseingangsschild. Um 14:00 hatten wir erst 14 Feuer. Die Hitze war unerträglich, kein Wind und über 30°. Erst in einem Vorort von Sevilla kam eine Möglichkeit den Fluss zu überqueren. Um 18:40 machten wir endlich Feierabend. Doch wir waren mitten in der Pampas. Der nächste Ort war 30 km entfernt und es war fraglich ob wir dort ein Zimmer bekamen.
In Las Cabezas de San Juan fanden wir an der Ausfallstraße ein Motel. Sofort ein Zimmer genommen. 42 , netter Hotelstandard. Die Klimaanlage ging nicht, also sind wir nochmals umgezogen. Für 42 wollten wir auch kalte Luft. Gegessen haben wir im hoteleigenen Restaurant. Hat gut geschmeckt und nach diesem staubigen Tag hat das Bier besonders gut gezischt.
Mittwoch, 14.05.03
Guadalquivir
173 km, 37 LF
Ich hatte gar keine Lust loszufahren, denn ich wusste dass wieder nur öde Feldwege und 39 Feuer vor uns hatten. Das erste Feuer hatten wir erstaunlich schnell gefunden. Vor diesem Feuer war ein großer Haufen Erde aufgeschüttet. Die Oberfläche war so trocken, dass die Kruste aufgerissen war. Deshalb meinte Alex auch, dass man darauf laufen kann. Doch weit gefehlt: es war ausgebaggerter Flussschlamm und nur die Oberfläche war trocken. Alex versank bis zu den Oberschenkeln im Schlamm. Ich bin ihm auf allen Vieren entgegen gekrabbelt um die Kamera in Sicherheit zu bringen (man muss Prioritäten setzen!). Dabei bin ich auch bis zu den Knöcheln versackt. Alex hat sich selbst befreit und hatte sogar beide Schuhe noch an den Füßen. In einem der sonst so verhassten Wassergräben in der Nähe versuchten wir uns zu säubern, aber dieser Schlick war sehr zäh und ging kaum ab. Alex meinte nur, ich soll mich freuen dass er mir einen so tollen Wellness-Urlaub bietet, mit Schlammpackung und so.
Das nächste Feuer hat uns Nerven gekostet. 2 Stunden Feldwege jeder Qualität, von befestigten Schotterpisten über festgefahrenes Erdreich bis zu losem Schotter in dem das Auto fast versank. Dann waren wir auf einem Weg, der immer schmaler wurde und dann aufhörte. Auf der einen Seite ein tiefer Entwässerungsgraben, auf der anderen ein Feld mit loser Erde. Alex hat aber doch geschafft zu wenden. Teilweise hat Alex versucht mit dem Rad weiterzumachen, aber das war auch nicht immer erfolgreich. Und von wegen: "die Straße geht immer am Fluss entlang...." - nur auf der Karte, nicht im wahren Leben.
Nachdem wir für 4 Feuer 4 ½ Stunden gebraucht haben und ich schon etwas lustlos wurde, erschien ein Licht am Leuchtfeuerhimmel: die Straße tauchte auf! Sie kam aus dem Landesinneren und ging plötzlich am Fluss entlang. Über die Straßenqualität möchte ich an dieser Stelle mal nicht meckern. Ich war froh, dass ich keinen Schotter mehr unter den Reifen hatte. Was machen da schon Schlaglöcher.
Bei Leuchtfeuer 29 (die sind an diesem Fluss alle durchnumeriert) haben wir auf einer Wiese am Fluss ein Picknick mit Dosenthunfisch, Majo und altem Brot gemacht. Das ist so lecker wenn man richtig Kohldampf hat.
Die Gegend war zwar öde, aber die Artenvielfalt der Vögel war phantastisch. Ich kenne zu wenig Namen, aber Reiher, Störche und Sumpfhühner habe ich erkannt.
Am Feuer 25 weidete eine Herde Rinder. Von Weitem konnten wir nicht erkennen, ob es Kühe oder Stiere waren. Aber die Viecher liefen vor Alex davon. Müssen blöde Kühe gewesen sein.
Leider hörte die Straße wieder auf und ging in eine Schotterpiste über. Plötzlich standen wir vor einem Deich auf dem ein Bagger eine Fahrspur gemacht hatte. Da es keinen anderen Weg gab und vorher ein Vogelschutzgebiet ausgeschildert war, fuhren wir diesen schmalen Weg auf dem schmalen Deich. 2-5 km/h, mehr ging nicht in dieser Treckerspur.
Das Wasser lief mir den Rücken runter. Ich hatte immer Angst dass die Spur aufhört. Hier hätte selbst Alex nicht wenden können. Auf der einen Seite ging es steil ab, auf der anderen war ein großer Salzsee. Plötzlich endete der Weg auf einer Kuhweide. Waren wir hier richtig? Ja, da war ein Leuchtfeuer.
Wir fuhren weiter und sahen ein "Durchfahrt verboten" Schild. Aber es war der einzige Weg und über diesen schrecklichen Deich hätten mich keine 10 Pferde mehr gekriegt.
Wir fuhren durch Salinen und standen plötzlich vor einem Werkstor, aber von der Werksseite!! Die Salinenarbeiter guckten verduzt. Man wollte uns das Tor nicht öffnen. Ich hätte mich notfalls heulend, schreiend vor dem Tor am Boden gewälzt, aber zum Glück hat Alex das Tor aufgekriegt und wir verschwanden mit quietschenden Reifen.
Die letzten 4 Feuer fanden wir auf Anhieb. Nun noch ein paar Feuer in bebautem Gebiet und dann hatte uns das Meer wieder.
In Cipiona wurden wir direkt an dem 69m hohen Leuchtturm fündig. Das Hostal Faro war toll. Wir hatten das Zimmer mit Dachterrasse. Der Ausblick war auf den Leuchtturm und aufs Meer. Das entschädigte uns für diese schrecklichen zwei Flusstage.
Nach einem Bummel durch den Ort haben wir beim Spanier gegessen. Einziges Gesprächsthema: Wir haben den Fluss besiegt!! Wir sind bestimmt die einzigen Menschen, die alle 69 Leuchtfeuer des Guadalquivir fotografiert haben. Wenn es noch jemanden gibt: bitte melden!
Donnerstag, 15.05.03
Von Cipiona bis Canal di Sancti Petri
236 km, 60 LF
Als erstes fotografierten wir den Leuchtturm von Cipiona. War gar nicht so einfach das hohe Teil aufs Bild zu bekommen. Der nächste Ort war Rota. Der alte Ortskern ist sehr schön. Es gibt hübsche Häuser und eine nette Promenade. Früher gab es keinen richtigen Leuchtturm in Rota. Man hatte eine Optik auf einen hohen Torbogen am Hafen gesetzt. Doch dann wurde daneben ein neues Hotel gebaut und die Optik war von See aus nicht mehr zu sehen. So kam Rota zu einem neuen Turm.
Zwischen Rota und Fuenterrabia erstreckt sich eine riesige Militärbasis. Wir sind über die Schnellstraße 15 km drum herum gefahren. Ein beeindruckend großes Gelände mit Golfplatz, Parkanlagen, Wohngebäuden und natürlich Militär. Leider sind auch 4 Feuer in der Base. Wir haben nur eins per Tele bekommen.
Im Hafen Sherry, der zu El Puerto de Santa Maria gehört, haben wir am Leuchtturm wieder ein schönes Picknick gemacht. Leider war es total windig. Was hätten wir uns den gestern am Guadalquivir gewünscht. Nun waren wir kurz vor Cadiz. Überall Hafenanlagen. Ich befürchtete schon, dass wir niemals durch die Kontrollstellen kommen würden, aber - einfach an die Schranke rangefahren, Schranke ging hoch und wir waren drin. Tja, der Schrankenwärter musste halt seinen spannenden Film weitergucken!!!
In Cadiz kamen wir so gut voran, dass wir unser Tagessoll von 40 Feuern schon um 17:00 erreicht hatten. Aber hier in Cadiz übernachten? Nein. Also weiter nach San Fernando. Aber auch hier sah es nicht einladend aus. Außerdem lag der Ort an einem Salinengebiet mit Millionen von Mücken. In Chiclana war furchtbar viel Verkehr und kein Hostal zu sehen. Bis Sancti Petri feuerten wir einfach weiter. Wir nahmen die Küstenstraße an der laut Straßenkarte kein Ort, kein Haus, geschweige denn ein Hotel stehen sollte, doch siehe da - Neckermann und TUI ließen grüßen! Alles voll mit Bettenburgen. Die Hostals gefielen uns aber nicht, also sind wir weiter nach Conil. Der Ort war ganz nett und wir fanden ein Hostal direkt an der Strandpromenade. Das Zimmer war zwar winzig, aber die Aussicht auf das Meer war toll. Hauptsache man hat Platz auf dem Balkon für das Kaffee trinken, da ist es doch egal dass das Zimmer zu klein ist um den Koffer auszuklappen. Wir berauschten uns nach Sonnenuntergang am Discolight für Leuchtfeuerer. Links war der Leuchtturm von Cabo Trafalgar zusehen, rechts der von Cabo Roche und in der Mitte eine befeuerte Fischzucht. Die konnte ich allerdings nach dem Pizza-Besuch mit leckerem Rosè-Wein nicht mehr so genau erkennen!
Freitag, 16.05.03
Von Conil bis Algeciras
251 km, 49 LF
Nachdem wir gestern so fleißig waren und 60 Leuchtfeuer geschafft haben, ließen wir es heute ruhig angehen. Erst um 9:40 sind wir los zum Cabo Roche. Die Sonne war wässrig (Zitat Mama), aber es tat ganz gut, dass es mal nicht so heiß war. Die Fahrt ging weiter Richtung Osten die Küste entlang. Wir durchquerten einen schönen Pinienwald, das Naturschutzgebiet von Barbarte. Danach kamen wir nach Zahara de los Atunes (Wüste der Tunfische!) Dort gibt es in der Vorsaison einen tollen, menschenleeren Strand.
Leider ging die Straße zum nächsten Leuchtturm nicht an der Küste entlang. Wir mussten ca. 20 km Umweg durch das Landesinnere fahren. Auf der Straßenkarte ging kein Weg zum LT Paloma. Auf der Seekarte war wenigstens noch ein kleiner Ort verzeichnet nach dem wir uns richten konnten. Am Ende eines Weges, quasi in einer Hauseinfahrt waren es noch 2 km Luftlinie zum Feuer. Alex zog die Wanderschuhe an und machte sich auf den Weg. Ich spielte derweil mit Hunden und beobachtete kleine Ferkel. Nach einer Stunde rief Alex an: "Ich stehe hier am Leuchtfeuer. Es geht eine asphaltierte Straße hier her, sogar eine mit Bundesstraßen-Nummer 222". Ich holte Alex auf der anderen Seite des Berges ab und was war da? Überall militärisches Sperrgebiet. Alex kam an zwei Militärposten vorbei, allerdings von der falschen Seite. Die waren ganz schön verdutzt. Gut dass wir "falsch gefeuert" haben, von dieser Bergseite hätten die Posten uns nie reingelassen.
Tarifa ist ein schönes Städtchen mit vorgelagerter Festung. Kein Wunder, denn Afrika ist nah. Früher hat man sich hier vielleicht gegen die Mauren verteidigt. Tarifa ist der südlichste Punkt der iberischen Halbinsel. Wir näherten uns der großen Bucht von Algeciras. Am Leuchtturm von Carneiro hatten wir einen phantastischen Blick auf Gibraltar. Da die ganze Bucht von Industriehäfen wimmelt, die wir alle abfeuern mussten, stärkten wir uns am Leuchtturm erst einmal mit einem Melonen-Picknick. Eigentlich ist die ganze Bucht eine einzige "Fabrik": Kraftwerke, Ölraffinerien, Kohlenterminals und dazwischen kleine Ansiedlungen, die zwar schöne Sandstrände haben, aber in einem permanenten Ölgestank liegen. Manche Orte sind verlassen und bestehen nur noch aus zugemauerten Häusern. Ich kann verstehen wenn die Menschen von hier wegziehen.
Am Strand von Pamona, Alex versuchte gerade die Industriemole zu fotografieren, sah er einen Gegenstand in der Brandung und fragte mich: "Ist das ΄ne Urne?" Es war eine!
Ich stellte den armen Mann, der '99 gestorben war, mit Blick auf Gibraltar auf eine Mauer. Für uns als Ausländer mit unzureichenden Sprachkenntnissen ist es schwierig eine Urne an der richtigen Stelle abzugeben. Aber es wird sicher ein Spanier vorbei kommen und das Richtige tun. Ich hätte nie gedacht, dass die Urne so lange nach einer Seebestattung wieder an Land geschwemmt wird.
Die Zimmersuche gestaltete sich natürlich in diesem Industriegebiet schwierig. Sogar in La Linea, das wir ja schon von unserem Südspanien-Urlaub kannten war außer China-Restaurants nichts zu finden. Wir sind dann die Schnellstraße zurück gefahren und haben ein Zimmer im Motel genommen. Großes geschmackvolles Zimmer, aber leider ohne Balkon. Wenigstens lag das Zimmer nach hinten raus, so das der Straßenlärm nicht so schlimm war. Gegessen haben wir beim Chinesen, mit Blick auf Gibraltar.
Samstag, 17.05.03
Von Gibraltar (UK) bis Faro (Portugal)
497 km, 30 LF
Für mich fing der Tag ruhig an. Alex hat per Fahrrad Gibraltar gefeuert und ich konnte bis 12:00 im Hotel gammeln. Um 12:20 war Alex abgekämpft und durstig zurück. Auf Gibraltar herrscht zum Glück Rechtsverkehr, aber alles ist eng und voller Touris. Die Häfen sind wie im Mutterland Hochsicherheitstrakt (die spinnen, die Briten). Aber Alex hat alle Leuchtfeuer.
Nachdem wir bei McDoof Mittag gegessen haben, ging es zurück nach Portugal. Fahrzeit bis Faro: 3 ½ Stunden. Wieso haben wir auf dem Hinweg eigentlich 7 Tage gebraucht?? Die direkte Fahrstrecke bis zur Grenze war 350 km lang. Wir verfuhren ca. 1450km auf der Feuerstrecke!
Wir wählten für den Rückweg eine Strecke, die 30 km landeinwärts Richtung Westen ging. Eine landschaftlich sehr schöne und einsame Strecke. Kilometerweise nichts! Kein Haus, kein Ort, nur Weiden und Felder.
Wir schafften es, um 18:00 in Olhao zu sein und das Boot um 18:30 zu der vorgelagerten Insel Culatra zu nehmen. Vom Boot aus konnten wir die befeuerte Einfahrt nach Faro und Olhao fotografieren.
Die Hinfahrt war ruhig und nur wenige Insulaner waren an Bord, die wieder auf ihre Insel nach Hause wollten. Am ersten Anleger stiegen einige Leute aus, kaum welche ein. Am nächsten Steg standen so viele Menschen, dass ich dachte: die passen nie auf das Boot. Bei näheren Hinsehen stellten wir fest das es keine Touristen waren sondern Jugendliche, die vom Strandausflug zurück kamen. Neben uns saß ein junger Mann, der ein Vorliebe für seine Genitalien hatte. Während der 45-minütigen Überfahrt hat er höchstens 4-5 Minuten nicht seine Hand an oder in seinem Shorts gehabt. Wollen wir mal hoffen dass ihn nur der Sand gepickt hat.
Nun ging es zur ersten Quartiersuche auf portugiesischem Boden. Nachdem wir Faro durchquert hatten, sahen wir an der Durchgangsstraße ein Hotel-Schild. Wir bogen in Richtung Ludo ab und befürchteten schon eine Falle. Die Straße sah gar nicht vertrauenswürdig auf. Doch dann standen wir vor einem schönen, recht teuer scheinenden Haus. Alex ging rein um nach dem Preis zu fragen und kam strahlend wieder heraus. Ein englisches Ehepaar führte das Hotel "A Colina" und Alex konnte den Preis von 70 auf 50 Euro drücken.
Das Zimmer war nicht groß, hatte aber eine riesige Terrasse mit Ausblick auf Orangenhaine und im Hintergrund aufs Meer. Als ich unseren Tauchsieder auspacken wollte stellte ich erfreut fest: Ich bin in UK! Es gab ganz "traditional" einen Wasserkocher, Tee und Kaffee und Geschirr.
Das ganze Haus war im englischen Stil eingerichtet, mit alten Möbeln und typischem english-traditional Style. Im schönen Garten war ein Swimming-Pool.
Alex machte mit dem Besitzer das Abendessen aus, denn zum Haus gehörte ein kleines Restaurant. Es gab als Vorspeise Krabben-Cocktail und geräucherte Entenbrust und als Hauptgang Rinderfilet mit Pfeffersauce. Der Preis war zwar gesalzen (44,-), aber der Abend war schön, das Ambiente toll und deshalb war es das wert.
Wer mal hin möchte: Hier klicken (A Colina)
Sonntag, 18.05.03
Quarteria bis Burgau
190 km, 28 LF
Am Morgen wartete ein englisches Frühstück auf uns. Bestens gestärkt fuhren wir um kurz vor 10:00 nach Quarteiria los. Laut Reiseführer hatte der Ort vor Jahren seine Glanzzeiten, aber das hält deutsche Touristen ja nicht ab, scharenweise dort einzufliegen. Man erkennt sie daran, dass sie mit freiem sonnenverbranntem Oberkörper und Badehose rumliefen, auf der Straße, nicht am Strand!!
Habe ich schon erwähnt das ich Portugal hasse? Ich hasse das Einbahnstraßensystem, ich hasse die unzureichende Beschilderung, ich hasse die Männer, die alle aussehen wie Schwerverbrecher, ich hasse die vielen Schwarzen, die immer aussehen als klauen sie dir gleich das Auto.
Wir sind doch nun wirklich Profis was Navigieren, Karten lesen, Schilder schnell erfassen und suchen angeht, aber hier..? Ein Beispiel: Albufeira!
Die Marina ist im Ort ausgeschildert, doch man kommt nur in enge Altstadtgassen, aber nie nach unten ans Wasser. Also sind wir aus dem Ort raus (weil auf der Seekarte die Marina außerhalb eingezeichnet war) und siehe da - nach dem Ortausgangsschild kam ein Hinweis zur Marina. Fährt man dem Schild nach, befindet man sich 40m über der Marina. Kein Weg um da hinunter zu kommen. Danach kein Schild mehr sondern die Altstadtgassen von der anderen Seite aus, mit Einbahnstraßen, so dass man nie mehr an seinem Ausgangsort ankommt. Wir sind dann illegaler weise durch eine Baustelle gefahren und kamen auf die andere Seite der Bucht. Dort war zwar ein Leuchtfeuer, aber den Hafen hatten wir immer noch nicht erreicht. Nach 40 Minuten hatten wir dann die Schotterpiste, die wieder durch Bagger und Baulöcher führte, gefunden und waren am Hafen. Normal ist das nicht!
Als hätten die Portugiesen meine Meckerei gehört, wurde die Straßen- und Schilderqualität besser. An der Westmole von Portmao hat Alex alle Badegäste mit seinem Molenrad begeistert. Ich wollte ein schönes Foto vom radelnden Alex machen, aber er schob auf dem Rückweg sein Rad - Platten! Wir suchten ein schattiges Plätzchen und Alex begab sich an die Reparatur.
Die Feuer von Alvor waren schlecht zu kriegen. Alex musste eine halbe Stunde durch den Sand laufen und ich konnte in einer Strandbude Kaffee trinken. Lagos stellte ich mir auch schlimm zu feuern vor, aber es war eigentlich ganz angenehm. Dann gings weiter nach Burgau. Das war ein Ort nach meinem Geschmack. Keine Einbahnstraßen, kein Verkehr. Die Kinder spielten Fußball auf der Straße. Ein kleines verträumtes Nest, mit 5 Leuchtfeuern. Eins am Strand und Kabelfeuer im Osten und Westen. Hier wollte ich gerne Quartier beziehen. Das erste Gästehaus sah ein wenig alternativ-schmuddelig aus und war auch zu teuer. Der 2. Versuch war ein Treffer. Die Besitzerin hatte eine Wegbeschreibung zu ihrem Imbiss am Haus, so das wir sie im Ort suchten, fanden und das Zimmer für nur 25 Euro nahmen. Wir hatten einen Balkon und Bad auf dem Flur, aber wir waren die einzigen Gäste.
Feierabend hatten wir aber noch nicht. Die Kabelfeuer mussten noch geschossen werden. Wir befanden uns hier kurz vor dem südlichsten Punkt Europas. (Komisch- da waren wir doch schon mal, aber das war in Griechenland! Was ist denn nun der südlichste Punkt??)
Unsere Vermieterin sprach super deutsch und zu Abend haben wir in einer englischen Pizzeria gegessen. Gibt es an der Algarve eigentlich richtige Portugiesen?
Montag, 19.05.03
Baleira bis Setubal
380 km, 32 LF

Erster Stopp des Tages war Sages, der angeblich südlichster Punkt Europas. Danach zum Leuchtturm Cabo de Sao Vicente. Der Wind hatte sich in einen Sturm verwandelt und es wurde empfindlich kalt. Man wehte fast von den traumhaft schönen Klippen. Die Aussicht hier ist herrlich.
Nun hatten wir 60km Luftlinie ohne Leuchtfeuer vor uns. Die Strecke ging nicht direkt am Meer entlang, war aber landschaftlich sehr schön. Nach über einer Stunde kamen wir in Porto das Barcas an und genossen neben dem Leuchtfeuer einen Kaffee mit wunderbarem Ausblick auf die Steilküste.
Milfontes ist ein nettes verträumtes Städtchen am Fluss Mira. Man hat vom Leuchtfeuer an der Mündung einen schönen Ausblick auf den Fluss, die Sandstrände und Steilküste. Nächster Halt war im 10 km entfernten Porto Covo. Auch hier ist wenig Tourismus und wunderschöne Landschaft. Ich finde die Altantikküste Portugals viel schöner und lebendiger als die Algarve.
Nun ging es weiter nach Sines. Laut unserem Michael-Müller-Reiseführer ein nettes Städtchen, aber ich glaube, die Besucher werden von dem großen Industriehafen abgeschreckt. Wir wurden davon angezogen. Die Leuchtfeuer riefen! Es war sehr schwierig auf die Ostmole zu kommen, denn dort war eine riesige Baustelle. Aber obwohl dort Ölterminals waren konnten wir ungehindert dort herumfahren. Das änderte sich schlagartig im Fischereihafen von Sines! Dort ließ man uns nicht hinein, machten ein Trara wie im Hochsicherheitstrakt. Die spinnen, die Portugiesen! Sie glauben mir nicht? Noch ein Beispiel: Ein LF steht im Ort Pinheiro da Cruz. Auf der Straßenkarte geht von der Hauptstraße ein Abzweig zu diesem Ort. Als unser GPS uns zwang links abzubiegen war da auch eine Straße, aber mit Schranke. Nein, kein militärisches Sperrgebiet. Ein paar reiche Heinis hatten sich den ganzen Küstenabschnitt nebst Leuchtfeuer eingezäunt um uns mit ihrem Reichtum nicht anzukotzen!

Das ganze Gebiet ist sandig und ohne asphaltierte Straße hatte man keine Chance an die Küste zu kommen.
Wütend ging es weiter auf die Halbinsel Troja (genau - den griechischen Namen haben die Portugiesen auch geklaut!!). Diese besteht auch aus Sand und erinnert vom Bewuchs her an Römö. Am Ende der Halbinsel wollten wir mit der Fähre nach Setubal übersetzen, aber - die Fähre war natürlich gerade weg und wir mussten 20 Minuten warten. Die Feuer von Setubal waren abenteuerlich zu finden. Das Oberfeuer war 1,7 Meilen vom Unterfeuer entfernt und sollte ein weißer Mast mit rotem Hut sein. Es war aber ein richtiger Leuchtturm und der stand auf dem Gelände eines Einkaufsmarkt und war schlecht zu finden.
Dank Michael Müller hatten wir schnell ein Zimmer in der Residencial Mar e Sol. Mit dem schönen Gefühl ein Bleibe zu haben feuerten wir weiter. Am Abend aßen wir in einem Straßenlokal. Ich wollte unbedingt mal gegrillten Fisch essen, aber der Schwertfisch war aus und vor den Kilopreisen war ich bang. Also entschied ich mich für Cuttlefish, der sich aber als Krake entpuppte. Schnell wurde der zäh und kalt. Ach hätte ich doch auch so einen schönen Fleischspieß wie Alex bestellt!
Dienstag, 20.05.03
Sesimbra bis Montijo
235km, 35 LF
Der Tag begann mit einem leckeren Frühstücksbuffett im Hotel. Das erste Feuer war lt. GPS Luftlinie 16 km vom Hotel entfernt. Gefahrene Km waren aber 35 über eine schöne kurvige Küstenstraße. In Sesimbra gab es zwei mal Unter-, Mittel- und Oberfeuer, die an einem steilen Hang lagen. Die westlichen waren relativ einfach zu kriegen aber zu den östlichen musste Alex wieder einen Gewaltmarsch machen.
Danach fuhren wir zum Leuchtturm Espichel. Auf diesem Kap liegt auch noch ein bedeutendes Kloster.
Nun lag wieder eine längere Fahrstrecke zum "Hausstrand" von Lissabon, der Costa da Caparica vor uns. In Chibata hat uns ein Wasserturm den letzten Nerv geraubt. Auf selbigem sollte ein LF sein, aber ein Wasserturm liegt bekanntlich an der höchsten Stelle und so konnte man das LF nicht sehen.
Danach fingen die industriellen Feuer auf der südlichen Seite des Tejos an. Der einzige Orientierungspunkt in dem Hochhausgewirr war eine riesige Christus-Figur neben der ein schönes Gebäude steht, wahrscheinlich ein Museum. Aber Michael Müller sagt nichts zu dieser Seite des Tejos. Kein Wunder, hier gibt es nur Industrie, hässliche Arbeiterviertel und Militär. Die Suche nach einem militärischem Ober- und Unterfeuer gestaltete sich wieder schwierig. Zum Unterfeuer kletterte Alex durch einen Zaun. Nach einer Weile hörte ich Hundegebell, aber Alex kam wohlbehalten zurück. Das OF sollte in der Stadt sein. Kinderspiel, dachten wir, aber - in der Stadt war eine große Kaserne und dort war dann auch das Feuer.
Mit der Zimmersuche sah es schlecht aus. Außer Plattenbausiedlungen und Industrie war nichts zu sehen, also weiterfeuern. Auf dem Weg nach Baleira sahen wir ein Schild "Residencial". Nur, mittlerweile waren wir zig Kilometer weitergefahren und fanden in dem Einbahnstraßengewirr die Straße mit dem Hinweisschild nicht wieder. Dafür sahen wir einen Hinweis zu einem chinesischem Restaurant. Nun mussten wir den Weg zur Pension finden und gleichzeitig den Rückweg zum Restaurant merken. Aber wir sind ja gut! Um 20:30 waren wir an der Pension und um 21:30 beim Chinesen. Über den Rückweg reden wir besser nicht denn da haben wir uns wieder verfranzt.
Mittwoch, 21.05.03
Montijo bis Cascais
262km, 38 LF
Um 8:35 ging die Suche weiter. Wo waren wir eigentlich? Wo sollen wir hin? Um 9:00 hatten wir unser erstes Feuer in Montijo. Die Feuer hier sind in einem Seitenarm des Tejos und stehen im Sumpf. Gar nicht einfach da ran zu kommen.
Anschließend überquerten wir den Tejo mit der Vasco da Gama-Brücke in Richtung Lissabon. Schon nach dem ersten Feuer in Lissabon brauchte ich einen Kaffee. Den tranken wir am 2. Feuer, das auf dem Expogelände stand. Die Straße ging dann zwar in Flussnähe entlang, aber es war trotzdem abenteuerlich. Ein Feuer schoss Alex von der Autobahn aus, während ich mit Warnblickanlage auf dem Seitenstreifen stand. Bei einem anderen kletterte Alex auf den Anhänger eines parkenden LKW und schoss mit Stativ.
Alex lotste mich prima durch den Großstadtverkehr. Ich fand einen Parkplatz am Hafen und Alex machte mit dem Rad weiter. Was wir so von der Flussseite aus von Lissabon sehen konnten war nett. Schöne alte Fassaden, Prunkbauten und die am Berg gelegene Altstadt. Nachdem wir die 2. Tejobrücke gefeuert hatten, hoffte ich dass der Verkehr hier im Vorort Belim ruhiger wurde, aber Fehlanzeige! Jetzt ging's erst richtig los. Das letzte Lissaboner Feuer hieß Mama und lag auf einem Hügel oberhalb von Belim. Man konnte es von Weitem sehen, aber es dauerte über eine Stunde bis wir da waren, weil keine direkte Straße dort hin führte.
Das Schlimmste kam aber noch: die Küstenstraße! Man kann nur alle 10 km wenden oder abbiegen. Natürlich nie da wo wir es brauchen. Ich ließ Alex an einer Seitenstraße raus. Nach einer Weile rief er an und meinte: "Fahr bis zur nächsten Abfahrt". Dort stand Alex aber nicht und danach kam wieder kilometerweise keine Möglichkeit zu halten oder zu drehen. Aber wir haben uns doch irgendwann wiedergefunden.
Die Hotelsuche war auch nicht einfach. Das Hotel S.Juliao in Carcavelos kostete 50 Euro. Das war Alex zu teuer und wir suchten weiter. Doch alles was wir danach fanden kostete noch mehr und so fuhren wir wieder zurück. Das Zimmer ging nach hinten raus. Dort floss ein Bach, an dem Frösche ihr Konzert gaben. Aber in diesem Zimmer war die Klimaanlage defekt und wir zogen nach vorne mit Blick auf den Platz. Bei Pizza Hut haben wir mit schlechtem Service zu Abend gegessen, aber wir lassen und unsere Laune ja nicht vermiesen.
Donnerstag, 22.05.03
Cascais bis Sao Martinho do Porto
218km, 23 LF
Das Frühstück im Hotel war gut. Gestärkt ging es weiter die Küstenstraße entlang. Der Ort Cascais ist nur für Fußgänger schön. In den vielen verwinkelten Gassen sehnte ich mich schon nach dem nächsten Kap und hoffte auf Weite.
Ich wurde nicht enttäuscht. Die Landschaft am westlichsten Punkt der iberischen Halbinsel, Cabo Rocha, war wunderschön. Traumhaft grüne Hügel endeten in zerklüfteten Klippen. Man konnte nicht genug kriegen von so viel schöner Gegend.
Aber wir mussten weiter. Im Landesinneren, in Sintra, liegt der Prunkbau Palace Pena, eine Art Neuschwanstein auf portugiesisch. Der Palast liegt im Naturschutzgebiet Parque de Monseratte. Dort gibt es viel Wald, Herrenhäuser, Quellen und überwucherte Mauern. Oben auf dem Palast war unser Leuchtfeuer. Wir machten im Parque noch eine Kaffeepause und fuhren dann nach Ericeira, ein wunderschöner kleiner Ort, ohne Tourismus mit schönen kleinen Gassen. Michael Müller hat diesen Ort nicht erwähnt. Ich glaube, er will hier selbst ungestört Urlaub machen und behält Ericeira als persönlichen Geheimtipp für sich. Der Weg nach Peniche ging über Nebenstraßen in Küstennähe entlang. Peniche ist eine große Hafenstadt mit schönem großen Sandstrand. Kaum auf der ersten Mole angekommen, hat Alex wieder einen Platten am Rad. Diesmal ist es wohl das Ventil.
Der Leuchtturm auf dem Kap liegt auf einer faszinierenden Felsformation. Hier gibt es die berühmten Klippenangler. Die Männer stehen oben auf den ca. 20-50m hohen Felsen und angeln. Da sind sicher schon einige runtergefallen. Schließlich gibt es an den Klippen kein Geländer.
Nächster Halt war Sao Martinho do Porto. Schon bei den Leuchtfeuern am Ortseingang haben wir uns in diesen Ort verliebt. Der Ort liegt an einer großen Bucht, die nur durch eine schmale Felseinfahrt mit dem Meer verbunden ist. Überall ist Sandstrand und es gibt auch eine Wanderdüne. Ich wollte gerne hier übernachten, aber es war erst 18:00 und wir hatten erst 23 Feuer. Egal - wir haben ja Urlaub. Außerdem musste der Fahrradschlauch geflickt werden! Genau mittig der Bucht lag eine Pension mit Blick auf alle 3 Leuchtfeuer. Wir bekamen ein Appartement in der 3. Etage, mit Küche, Wohnzimmer, Schlafzimmer, Bad und großem Balkon zur Bucht hinaus. Einfach herrlich. Wir tranken Kaffee, genossen den Ausblick und Alex reparierte sein Fahrrad.
Wenn ganz Portugal so wäre, dann würde uns das Land gefallen.
Nach erfolgreicher Reparatur, Sonne genießen und zum 1000. Mal auf die Bucht schauen, machten wir uns auf, den Ort zu erkunden. Am Ende der Bucht war ein Tunnel in den Fels geschlagen, so dass man auf die Meerseite durchlaufen konnte. Oberhalb der Stadt war ein Aussichtspunkt, aber der Blick von unserem Balkon ist viel schöner. Wir kamen am Friedhof vorbei und mussten den, wie in jedem Land, besichtigen. Jede Nation hat ja so seine Eigenarten die Liebsten zu begraben.
In Portugal gibt es neben den in die Erde gelassenen Marmorgräbern, die man auch aus Griechenland kennt, kleine "Grufthäuser". Vorne ist eine Tür und im Inneren sind auf jeder Seite 3 Nischen übereinander für die Särge. Und die stehen da auch tatsächlich drin. Teilweise schon ganz alt und verwittert. Ich weiß nicht wie die Portugiesen das mit der Verwesung machen, aber ich war nur froh dass die Türen verschlossen waren.
Nach unserem Spaziergang haben wir im hauseigenen Restaurant richtig lecker und günstig gegessen.
Freitag, 23.05.03
Nazare bis Aveiro
22km, 42 LF
Erstes Ziel: Nazare, ein Ort mit Ober- und Unterstadt, die mit einer Seilbahn verbunden sind. Von da aus ging es eine kleine Straße etwas landeinwärts parallel zur Küste entlang in Richtung Figueira da Foz. Wir fuhren 50km durch Wälder, teil über gut ausgebaute Straßen, teil über Schotterwege. Wenn man bedenkt: von Duisburg nach Köln nur durch Wald fahren!
Leider hat es in diesem Sommer genau in dieser Region auch gebrannt. Schade.
An der großen Südmole von Figueira ist ein Surfer-Paradies. Der Ort wirkt in der Vorsaison richtig verschlafen, obwohl Figueira incl. Umland 60.000 Einwohner hat.
Zum Wetter: es ist immer noch mächtig warm, über 30°. Aber es weht ein angenehmer Wind.
In Buarcos waren wir bei Lidl, direkt am Meer einkaufen. Schade das wir solch einen schönen Ausblick beim Einkauf in der Heimat nicht haben. Nach dem Leuchtturm Mondego lagen wieder 60km ohne Leuchtfeuer vor uns. An der einzigen Landstraße in Richtung Norden gab es zum Glück ein 2-Rad-Geschäft, denn unser Fahrradschlauch verlor immer noch Luft. Die Männer in der Werkstatt hatten wieder mächtig Spaß am Molenrad. Man reinigte das Rad sogar noch kostenlos. Allerdings roch es danach im Auto nach einer Mischung aus Wachs, Öl und Schuhwichse. Etwas "stoned" kamen wir in Aveiro an. Der Ort liegt etwas im Landesinneren. Das vorgelagerte Haff ist 11000 ha groß. 6000 ha sind permanent überschwemmt. Das hatte ich vorher im Reiseführer gelesen und machte mich auf Morast und Sumpf gefasst. Aber so war es nicht. Der Ort Barra, am Übergang zwischen Haff und offenem Meer gelegen, war touristisch gut erschlossen. Gut für die abendliche Quartiersuche. Die Einfahrt nach Aveiro war ratz fatz abgefeuert. Auf der anderen Seite von Barra war ein militärisches Sperrgebiet, doch der Kanal war nicht so breit. Man konnte mit Tele gut rüber fotografieren. 42 Feuer trotz der langen Autofahrten zwischendurch!
Der Wind frischte auf. Es war eher Atlantikklima. Aber die Gegend hier im Norden gefiel uns viel besser.
In Barra bekamen wir ein Zimmer mit Blick auf den Leuchtturm. Zuerst kam kein warmes Wasser aus den Hähnen. Dann ließ der Wasserdruck ganz nach, dann kam das Wasser durch die Zimmerdecke! Aber wir hatten ja schon Routine im schnellen Zimmerwechsel. Außerdem war das neue Zimmer größer!
Auf der Suche nach einem schlecht ausgeschilderten Chinesen kamen wir durch den Nachbarort Nova Costa. Hier gab es ganz niedliche bunte Häuser, die an gestreifte Badehandtücher erinnerten.
Samstag, 24.05.03
Praia de Aguda bis Montedor
277km, 40 LF
Der Morgen begann kalt. Wir feuern in langen Hosen denn es weht ein eisiger Sturm. In Porto angelangt erlebten wir die Invasion der Möwen. Selten habe ich so viele Viecher auf einen Haufen gesehen. Vor dem Fischereihafen von Porto herrscht wildes Treiben. Markfrauen bieten ihren Fisch an, alle parken 2. Reihe und es gibt kein Durchkommen.
Die Küstenorte nördlich von Porto sind noch sehr ursprünglich. Keine Touristen, keine Villen von Großstadtbewohnern, nur Kopfsteinpflasterstraßen. Hat denen denn noch niemand erzählt dass der Teer bereits erfunden ist?
Auch die Strände hier sind traumhaft, gerade heute bei Sturm. Es geht ein toller Wellengang.
In Vila da Conde gibt es eine Autorennstrecke auf der Küstenstraße, so richtig mit Tribünen und Reifenstapel. Der Sturm weht immer noch und Alex muss wieder auf eine Mole hinaus. Ich habe Fotos gemacht, für den Fall das er ins Meer gefallen wäre. Dann hätte ich der Polizei beweisen können das ich nichts mit seinem Ableben zu tun habe!
Nun hätten wir endlich mal Zeit in diesem Urlaub uns faul an einen der wunderbaren Strände zu legen, aber es stürmt zu sehr. Wir haben es versucht, waren aber nach kurzer Zeit gesandstrahlt.
In Viana do Castello versuchten wir ein Zimmer zu bekommen, aber es war nichts zu finden. Wir sind die Küstenstraße in nördlicher Richtung weitergefahren und fanden ein Hotel. 3.Etage, Blick auf das tosende Meer, neu renoviert mit Marmorbad. Was will der Mensch mehr. Wieder haben wir im hoteleigenen Restaurant gegessen. Da wir die Speisekarte nicht entziffern konnten ließen wir uns überraschen. Aber wir hatten gut gewählt. Steaks mit Beilagen.
Anschließend verfolgten wir im portugiesischem Fernsehen den Eurovision Grand Prix. Gut das Deutschland nicht gewonnen hat.
Sonntag, 25.05.03
Ancora bis Rio Minho und Rückfahrt Lissabon
502km, 8 LF
Das Hotelfrühstück war mau, aber mit viel Kaffee. Um 10:00 machten wir uns auf, die letzten paar Feuer zu schießen. Um 10:40 waren wir fertig, obwohl wir im Stau standen wegen einem portugiesischem Radrennen.
Wir legten am Fährübergang am Rio Minho eine Gedenkminute in Form von Kaffee trinken ein. Vor einem halben Jahr hatten wir auf der anderen Flussseite gestanden und uns gefragt wann wir wohl da drüben sein würden.
Der Versuch, am Strand zu sonnen wurde schnell wieder aufgegeben. Es war zu kalt und zu windig.
Weil wir noch so viel Zeit hatten, fuhren wir zurück zum Haff von Aveiro um 2 LF in Sao Jucinto erneut zu knipsen. Wir hatten sie nur über den Kanal fotografiert, denn Sao Jucinto liegt auf einer Halbinsel und von Aveiro aus hätten wir einen Umweg von 40 km machen müssen. Aber nun hatten wir Zeit. Die Portugiesen auch! Es war Sonntag und die Einheimischen fuhren auf der einzigen Straße die auf die Halbinsel führte mit 30-40 km/h um während der Fahrt die Auslagen der Straßenverkäufer zu begutachten. Als die Stände endlich aufhörten, gegafften die Portugiesen die Leute, die am Waldrand oder am Haffufer picknickten.
Alex hat den Überholrekord auf dieser Strecke gebrochen!
Nach einem Imbiss fuhren wir ebenso langsam wieder zurück zur Hauptstraße und beschlossen, die mautpflichtige Autobahn nach Lissabon zu nehmen. Es waren zu viele Sonntagsfahrer unterwegs.
Um 18:45 kamen wir wieder im Hotel Sao Juliao an und bekamen wieder unser altes Zimmer mit Blick auf den Platz. Unser Urlaubsabschiedsessen nahmen wir beim Chinesen gegenüber ein.
Montag, 26.05.03, Abreisetag
Nach dem Hotelfrühstück ging es Stop and Go zum Flughafen. Alex ließ mich mit dem Gepäck am Terminal raus um das Auto wegzubringen. Die Idioten von der Autovermietung wollten 50 Euro für die Innenreinigung! Das haben wir noch nie erlebt! Wenn man 14 Tage durch ein Land fährt ist es doch klar dass Staub in den Innenraum gelangt.
Alex hat den Wagen an der Tankstelle selber gereinigt. Wir habe uns bei Holiday-Auto über den Subunternehmer Jardim beschwert und einen 30 Euro Gutschein erhalten.
Fazit:
Ich bleibe dabei - Portugal ist zwar landschaftlich sehr schön, aber die Einwohner, deren Einstellungen und die Abzocke kann man vergessen. Ich bin froh das wir Portugal abgefeuert haben und ich nicht mehr hier her muss.
Keine Wehmut wie bei Griechenland oder Nordspanien. Aber, der nächste Urlaub kommt bestimmt!
Am 23.09.03 geht es ab in die "Heimat" Griechenland. Mehr davon demnächst.