Dienstag, 23.09.03
Ja, nun sitzen wir wieder im "Land meines Schwiegervaters" auf dem Balkon und trinken Nescafe in der Abenddämmerung. Wir sind endlich wieder zu Hause!
Bevor wir um 15:00 mit der Aero Lloyd abgeflogen sind, bekamen wir von Alex Kollegin Andrea noch den Auftrag, "Nescafe Classic" und Linsen(!) aus Griechenland mit zu bringen. Alex hatte die Reihe am Notausgang für uns reserviert. So flogen wir mit viel Beinfreiheit nach Preveza.
Um 18:30 Ortzeit landeten wir und schon um 19:00 starteten wir mit unseren Koffern und dem gemieteten Seat Cordoba in Richtung Urlaub. Als wir das Flughafengelände verließen und auf die Straße fuhren, war natürlich kein Straßenschild da, welches zeigt wo wir lang sollen. In Portugal wäre ich sofort im Dreieck gesprungen, aber hier in Hellas zuckt man nicht, sondern fährt intuitiv rechts. Alex fiel dann ein, dass es noch Himmelsrichtungen gibt, checkte den Stand der Sonne und siehe da - wir waren richtig! Das bestätigte uns auch ein Schild, das nach 6 km kam.
Wir fuhren nach Agios Nikolaos, denn dort kannten wir die Pension "Intos" in der wir vor 3 Jahren schon mal übernachtet hatten. Als ich die Kneipe, die zur Pension gehörte, betrat, fiel mir wieder ein, dass ich hier das 1. Mal im Leben Billard gespielt hatte. Wir aßen in der Taverne zu Abend, in der wir vor 3 Jahren "Frikadellen" bestellt hatten und gegrillte Innereien bekamen. Diesmal keine Experimente: wir nahmen Suflakis mit Pommes und Tzatziki.
Anschließend spielten wir wieder Billard.
Mittwoch, 24.09.03
424 km, 6 Leuchtfeuer
Von Lefkas bis Antikira
Die Nacht war mückenreich und laut. Aber egal, wir waren heiß aufs Feuern. Korrekturfeuern um genau zu sein, denn Griechenland ist eigentlich fertig. Aber weil ich so gequengelt habe: "Ich will aber wieder nach Griechenland
." feuern wir nun die Leuchtfeuer, die in den letzten Jahren neu dazu gekommen sind oder die, die wir damals nicht bekommen haben (wir hatten 1999 noch kein GPS und kein Molenrad). Das bedeutet: Griechenland umrunden für 125 Feuer!
Um 10:10 machten wir uns auf nach Lefkas, eine Insel, die mit dem Festland durch eine Brücke verbunden ist. Dort hatten wir 2 Feuer, die natürlich 1 Stunde auseinander lagen. Lefkas ist eine grüne Insel, touristisch erschlossen aber ohne Massentourismus und Hochhäuser.
Die nächsten Feuer lagen am Golf von Korinth. Luftlinie nur 121 km entfernt, aber über die Straßen waren es weit über 200km. Wir fuhren durchs Landesinnere über Vonitsa, Amfilohia Richtung Messolongi, dann an der nördlichen Seite des Golfs von Korinth entlang bis Marathia. In Nafpaktos machten wir eine Kaffeepause am Hafen. Dieses Städtchen hat uns vor Jahren schon gut gefallen.
Marathia ist sehr schön, mit langer Promenade, keinen Touristen, feinem Kieselstrand und himmlischer Ruhe. Das gleiche in Douvia, ein Ort, der ein paar Kilometer weiter liegt.
Nun kam das fieseste Feuer des Tages. Wir hatten es schon vor 3 Jahren nicht bekommen. Es liegt vorne auf dem Kap einer Halbinsel und heißt Akra Makri Nikolaos. Die Strecke über Schotterpisten kam uns bekannt vor, aber wenn wir die Strecke kennen, mussten wir dann nicht zwangsläufig falsch sein? Schließlich hatten wir das Feuer damals doch nicht gefunden?
Des Rätsels Lösung: Vor 3 Jahren hat Alex versucht über die Hügel direkten Weges an das Feuer zu kommen, nun sind wir weiter die Schotterpiste entlang gefahren und haben das Feuer seitlich angesteuert. Mit Erfolg! Um 19:00 war Alex von seinem Fußmarsch zurück. Wurde auch Zeit, denn die Dunkelheit kam und weit und breit kein Zimmer in Sicht.
Um 19:40 kamen wir nach Antikira und fanden dann doch schnell das Hotel "Iridano" (35 mit Aircondition und Kühlschrank).
Vom Balkon aus sahen wir 1 LF und 2 Leuchttonnen. Was will man mehr. Nach unserem Nescafe bummelten wir durch den Ort und aßen in einer Pizzeria.
Alex hat übrigens heute einer Schildkröte über die Straße geholfen. Es war das 1. Mal, dass ich eine in Hellas gesehen habe.
Zum Wetter: Es waren heute 25°. Für über 400km im Auto reichlich warm.
Donnerstag, 25.09.03
415 km, 10 LF
Von Antikira bis Patras
Um 8:40 starteten wir zu noch fieseren Feuern. Die lagen auf einem Kap und den vorgelagerten Inseln Fonia und Groboloura. Zuerst fuhren wir durch eine menschenleere Berglandschaft. Nur hier und da ein Bergdorf in diesem Voitia-Gebirge. Der letzte Ort bevor wir die Zivilisation verlassen haben hieß Prodromos. Von da aus sind wir 20 km Schotterpiste in Richtung Kap gefahren. Das schwierigste war, vom Ort aus den richtigen Abzweig gen Kap zu finden. Der 4. Anlauf war erfolgreich. Plötzlich, mitten im felsigen Nichts fing die Tankanzeige an zu piepsen und zu blinken. Dabei zeigte sie in der Zivilisation noch Ό voll an!
Da fuhren wir nun, kein Haus, kein Mensch weit und breit, nur Felsen und eine Straße, auf der man schon happy war, wenn man nur 50x aufgesetzt hat und das alles mit leerem Tank!
Um 11:30 waren wir am Kap angekommen. Hier wehte ein eisiger Wind und trotz Sonne kam man ins Frösteln. Wir schossen unsere Feuer und machten auf dem Rückweg an einer Kapelle halt um den Göttern der Autoreifen und der Ölwannen 2 Kerzen zu spenden. Die göttliche Bestechung hat geholfen! Wir erreichten die Tankstelle in Thisvi.
Weiter ging es über Theben nach Alepokhorfou. Dort haben wir zwischen den Leuchtfeuern eine Kaffeepause gemacht. Nächstes Ziel: Korinth. Die Strecke dorthin ging meist am Meer vorbei, durch Wälder und an Berghängen entlang. Eine traumhafte Strecke für Motorradfahrer. Guter Asphalt, viele Kurven und kaum Verkehr. Da macht Auto fahren Spaß!
Später überquerten wir den berühmten Kanal von Korinth und sagten gleichzeitig: "Langweilig!". Schließlich waren wir hier schon so oft rüber gefahren (aber beim 1. Mal sind wir auch ausgestiegen und haben uns am Panorama berauscht).
Um 17:00 hatten wir Korinth abgefeuert und machten uns auf den Weg zum 130 km entfernten Patras. Wir nahmen die Autobahn, die aber nicht vergleichbar mit deutschen Autobahnen ist. Hier ist je Richtung eine breite Spur, ähnlich wie Landstraße mit Mittelstreifen und ein Standstreifen, der hier von langsamen Wagen benutzt wird. Wenn ein Auto sich mit höherer Geschwindigkeit nähert, fährt man halb auf den Standstreifen, lässt sich überholen und zieht wieder zurück auf die normale Fahrbahn. Das System funktioniert aber gut.
Kurz vor Sonnenuntergang war das fehlende Feuer in Patras gefunden und wir machten uns auf Zimmersuche. In Patras direkt wollten wir kein Zimmer, also sind wir westlich am Meer entlang gefahren und in Paralia bei der Pension "Kamina" fündig geworden.
Wir hatten ein großes Zimmer mit TV und großer Terrasse, von der man durch eine Hofeinfahrt auch das Meer sehen konnte.
Gegessen haben wir im Restaurant "Faro" wo ein kleiner gemauerter Leuchtturm Namensgeber war. Wir machten Bekanntschaft mit einer griechischen Katze (mein Gott sind die hier dünn!). Nach dem Essen haben wir in einer Ouzerie am Wasser noch den Abend ausklingen lassen und die Fähren nach Brindisi beobachtet.
Freitag, 26.09.03
428 km, 2 Leuchtfeuer !!!
Von Katakolon bis Neapolis
Um 8:45 verließen wir unsere schöne Bleibe mit dem Fernziel Pirgos. Die "Autobahn" ist gut ausgebaut, aber man darf nur 60 km/h fahren. Tut aber keiner!!
In Gastruni sind wir von der Bahn abgefahren um ein Leuchtfloß zu fotografieren. Wir haben es direkt gefunden. 2 Minuten Aufenthalt und weiter mit Ziel Akra Xilis, am anderen Ende der Welt. In unserem Fall bedeutete das, einmal den Peloponnes zu durchqueren. Vom Nordwesten fuhren wir über Tripoli und Sparta in den Südosten. Eine Traumstrecke für Motorradfreaks. Es ging durchs Gebirge auf kurvenreichen Straßen, an Schluchten vorbei und Bergdörfern, die an die Felswand "geklatscht" waren. Aber anstrengend war die Strecke schon!
Nach 5 ½ Stunden Peloponnes-Durchquerung versuchte Alex zum 2. Mal sein Glück am Akra Xilis. Vor 4 Jahren hatten wir ohne GPS und Fahrrad aufgegeben. Wir fuhren wieder an die Stelle, an der es wegen großer Felsplatten auf dem Weg nicht per Auto weiterging. Ein Geländewagen hätte es noch weiter geschafft, aber ein Molenrad tut es ja auch. Auf dem Hinweg ging es bergab und Alex düste mit Tempo den Hügel hinunter. Nach über einer Stunde sah ich ihn Rad schiebend den Berg hinauf kommen. Mann, war Alex kaputt! Ich dachte, er kriegt einen Kreislaufkollaps! Er hat nur das Rad weggeschmissen, sich klatschnass geschwitzt und halbverdurstet auf den dreckigen Boden gelegt. Nach einer Verschnaufpause fuhren wir nach Neapolis in der Hoffnung noch die Fähre nach Kithera zu bekommen. Aber die fährt nur um 9:00 und 16:00.
Wir hatten mittlerweile schon 18:00, also Ticketkauf für die Fähre und Hotel suchen.
Wir entschieden uns für das Hotel Arsenakos. Es lag am Ortsrand, hatte Meerblick, Kühlschrank, Air condition, Balkon und alles für 22 .
Beim Kaffee trinken auf unserem Balkon sah ich dunkle Wolken über die Berge ziehen. In Deutschland wüsste man ganz genau: gleich regnet es, aber hier ist alles anders. Lassen wir uns überraschen. Hier am Südende des Peloponnes ist es am Tage sehr heiß geworden, aber es wehte ein stetiger Wind.
Es hat natürlich nicht geregnet. Es war ein milder windarmer Abend. Wir haben in Katzengesellschaft an der langen Promenade von Neapolis im einzigen Fleischrestaurant gegessen und anschließend in einem Cafe Lukumades verspeist (süßes, in Fett gebackenes Gebäck mit Honig).
Beim nächtlichen Spaziergang überprüften wir ob das LF am Fähranleger wirklich gelöscht war (ja, das Leuchtfeuerverzeichnis hatte Recht).
Samstag, 27.09.03
122 km, 10 LF
Kithera
Die Nacht war nicht so berauschend. Erst waren die Zimmernachbarn so laut, dann hatte ich einen Alptraum. Voller Panik meinte ich dann, jemand steigt über die Brüstung auf unseren Balkon. Dabei war es nur der Wind, der den Vorhang bewegte.
Gerädert wachten wir um 7:15 vom Handy-Wecker auf. Schnell gepackt, denn die Fähre nach Kithera wartet nicht!
Es war erstaunlich warm und windstill auf dem Meer. Auf Kithera angekommen ging die Feuerei los. Das Erste war direkt an der Fähre, das Nächste sollte in Ammos sein, war aber abgebaut oder hatte sich in eine Straßenlaterne verwandelt ;-). Das 3. war der Leuchtturm Akra Spathi. Es ging ein Schotterweg dorthin. Der wurde aber irgendwann unbefahrbar. Alex wollte mit dem Rad weiter aber - Platten! Die gestrige Strecke zum Akra Xilis hatte der Vorderreifen nicht überstanden. Nun musste er den Kilometer zu Fuß laufen.
Anschließend haben wir die ganze Insel Richtung Süden durchquert. Für die 24 km Luftlinie brauchten wir 1 Stunde und 40 km über die kurvigen Straßen. Die Insel ist sehr karg, aber angenehm ruhig. Kaum Ortschaften und so gut wie kein Tourismus. Am südlichen Ende in Kapsali hat es uns gut gefallen. Unten am Wasser ist der Hafen mit Leuchtturm, Kapelle und Strand, oben thront die Stadt mit den Überresten einer Burg. In der stand, wie sollte es in Griechenland anders sein, eine Kirche.
Wir feuerten zurück in den Osten der Insel. Erster Halt: Arlemonas. Hier soll angeblich Aphrodite aus dem Meer gestiegen sein. Und ich hatte meine Füße in diesem Wasser!!! Während ich also unwissentlich meine Füße in Uranos Blut badete (ihm wurden von seinem Sohn Kronos die Genitalien abgeschnitten und ins Meer geworfen. Aus dem schäumenden Blut entstieg dann Aphrodite) musste Alex zum Kap laufen um das Objekt seiner Begierde zu knipsen.
Danach fuhren wir zum griechischen Schildbürgerstreich. Man hat in Diakfori einen riesigen Fähranleger gebaut, nur ein paar Kilometer Luftlinie vom alten entfernt. Dort können 3-5 Fähren gleichzeitig anlegen. Eine autobahnähnliche Straße führt dorthin. Nur - die Fähren kommen weiterhin nach Agia Pelagia, dem alten Hafen und das riesige neue Gelände mit Cafe ist verwaist.
Direkt neben diesem neuen Fährhafen ist ein Schiff an einer kleinen Insel auf Grund gelaufen und halb gesunken. Natürlich war das kleine Eiland nicht befeuert. Tja, so wichtig sind eben Leuchtfeuer!!
Anschließend hatten wir Urlaub! Es war erst 14:45, alle Feuer waren geschossen und die Fähre fuhr erst um 17:30. Wir lagen eine Stunde am Strand, sonnten, schwammen und schnorchelten. Herrlich. Natürlich cremte ich mich nicht ein und bekam einen leichten Sonnenbrand. Alex wurde nicht rot, sondern schwarz!
Zurück in Agia Pelagia haben wir gegessen und auf die Fähre gewartet.
(Fährpreis für 1 Auto und 2 Personen: 55,00 , Fahrzeit: 1 ½ Stunden)
Übernachtet haben wir wieder im Hotel Arsenakos in Neapolis. Diesmal hatten wir mehr Glück mit dem Zimmer. Es war größer und besser.
Abends haben wir den ganzen Ort erneut nach einem Fleischlokal abgesucht, aber vergebens. Hier gab es nur Fischlokale. So haben wir uns, wie am Vortag, Suflakis gegönnt.
Sonntag, 28.09.03
487 km, 20 LF
Von Neapolis bis Salamis
Nach einer ruhigen Nacht hatten wir wieder eine lange Fahrstrecke vor uns. Wir waren am süd-östlichen Ende vom Peloponnes und mussten wieder zurück nach Korinth. Die Strecke war 260 km lang und dauerte 4 Stunden. Die Gegend war sehr abwechslungsreich. Wir fuhren durch große Ebenen, Berge, fruchtbare Felder und karge Gebirge. Kurz vor Korinth verließen wir die Autobahn um ein Feuer auf einer kleinen Insel am Saronischen Golf zu fotografieren. Leider lag das Feuer auf der Seeseite und war von Land aus nicht zu sehen. Zurück Richtung Korinth und dann zu den Ölterminals von Agios Theologi. In Isthmia, dem Ort an der Ostseite des Kanals von Korinth gibt es eine Brücke, die, wenn ein Schiff kommt, unter Wasser abgelassen wird. Die hölzerne Fahrbahn, das Geländer, alles taucht viele Meter in die Tiefe. Wir hatten Glück und konnten mit ansehen, wie die Brücke wieder aus dem Wasser hochkam. Wir fuhren auf die Autobahn Richtung Athen. Es war kein angenehmes Fahren. Viele Baustellen, die Ausflügler fuhren zurück in die Stadt. Die nächsten Feuer waren in Industriegebieten. Teilweise war es der 2. Versuch.
Was wir vor 3 Jahren nicht gefunden oder erreicht hatten... Aber ich rede ja gegen Wände!
Hat schon jemand in der Autobahnabfahrt einer 3-spurigen Autobahn mit Warnblinkanlage gestanden und auf jemanden gewartet, der mit dem Fahrrad auf dem Befestigungsstreifen der Autobahn zurück fuhr, um ein Feuer zu kriegen? Ich aber!
In Perama nahmen wir die Fähre nach Salamis, einer vorgelagerten Insel, die das Naherholungsgebiet der Athener ist. Hier hat fast jede Familie ein Haus oder Ferienwohnung. Die Insel besteht aus Werbeplakaten und militärischem Sperrgebieten und ist von Tankern umgeben. Salamis wird in keinem Reiseführer erwähnt. Gibt es hier überhaupt Zimmer?
Der Süden der Insel ist sehr schön, nicht so zugebaut und sehr bewaldet. Im Norden ist ein großes Militärgelände. Der Hauptort hat 2 Millionen Tavernen, aber kein Hotel. Müssen wir doch aufs Festland zurück und das fiese Hotel im Industriegebiet nehmen?
In Selina sind wir doch noch fündig geworden. Es war schon stockdunkel. Das war unser Glück, denn so sahen wir das beleuchtete Schild "Hotel" wenigstens. Das Zimmer erfüllte unsere Kriterien: Blick aufs Meer, Bett ohne Fußende, Kühlschrank, Klimaanlage, aber der Hit war der Balkon! Er ist nur 70 cm tief und hat einen schrägen Boden, der sich aber zum Haus hin neigt! Besser so rum als wenn die Schräge Richtung Brüstung gehen würde. Tisch und Stühle stehen schräg. Die Kaffeetassen rutschen gen Balkontür. Ist total lustig.
Die Bewohner Selinas haben sich so gefreut, dass wir das Hotel gefunden haben und haben extra ein Feuerwerk gestartet ;-)
Gegessen haben wir im hoteleigenen Restaurant (Hotel Votsalakia, 40 ).
Montag, 29.09.03
214 km, 18 Feuer
Von Salamis bis Voula
Der Tag hatte klasse begonnen. Sonnenaufgang auf dem schrägen Balkon, das 1. Feuer vor dem Haus, dann 2 zusätzliche Feuer in der Nähe und das bis 8:30!
Weiter ging es zu einer schmalen Halbinsel von Salamis. Dort parkte ich auf dem Gelände eines Schiffsabwrack-Unternehmens und hoffte, dass mich keiner vom Gelände wirft während Alex ein paar Feuer schoss. Die letzten Feuer waren schnell abgearbeitet und so nahmen wir um 10:00 die Fähre zurück zum Festland. (Fährpreis für 1 Auto mit 2 Personen: 5 pro Überfahrt)
Nun suchten wir noch 2 Industriefeuer und den Fährhafen nach Ägina. Das war gar nicht so einfach, denn auf den Schildern standen keine Inselnamen sondern östliche oder westliche Inselgruppen. Zu welcher Gruppe gehört denn Ägina??
Auf der Fähre beobachten wir eine dänische Schulklasse auf Klassenfahrt, ein U-Boot-Übungsgelände und einige Leuchtfeuer, an denen wir vorbei kamen.
Um 13:00 schossen wir unser 1. Feuer auf Ägina und um 14:45 nahmen wir schon wieder die Fähre zurück nach Piräus.
Ägina ist touristisch sehr erschlossen, aber außerhalb der Hochburgen gibt es noch richtig schöne Gegenden. Die Insel ist einen Besuch wert (Fährpreis Hin- und Rückfahrt: 54,00).
Nächster Stopp war Voula, ein Vorort von Athen, südöstlich am Meer gelegen. Der Weg dahin war mörderisch. Überall Olympia-Baustellen und Stau. Für 10 km haben wir 45 Minuten gebraucht. Danach fuhren wir weiter nach Lavrio, ein Fährhafen, von dem aus die Fähre nach Kea geht. Es ging zwar am nächsten Morgen eine Fähre auf die Insel Kea, aber nur einmal wöchentlich eine weiter nach Kythnos. Nach kurzem Überlegen haben wir die beiden Kykladeninseln auf einen anderen Urlaub verlegt.
Wir fuhren zum nächsten Fährhafen, Rafina. Von dort aus wollten wir nach Andros fahren. Im Dunkeln kamen wir dort an. Die Fähre sollte morgens um 8:00 gehen aber schon um 15:30 zurück. In der Zeit 12 Feuer?
Nachdenken und Hotel suchen war angesagt. In Rafina gab es laut Michael-Müller-Reiseführer 2 Hotels. Wir fanden nur eins und die wollten für ein 4-Bett-Zimmer 60. Wir fuhren weiter zum nördlichen Strand Mavri. Dort gab es nur ein geschlossenes Hotel. Auf dem weiteren Weg an der Küstenstraße entlang fanden wir noch 2 Pauschalhotels, aber die wollten 70. Zu teuer! Nach 20:00 fanden wir das Hotel Nireus, auch ein Pauschalhotel, aber für 40. Das haben wir genommen. Wir wussten zwar überhaupt nicht wo wir waren, (im Dunkeln durch waldiges Gebiet ohne größere Ansiedlung, da verliert man die Orientierung) aber das Zimmer war OK, mit großem Balkon und genügend Platz. Nach unserem obligatorischen Nescafe machten wir uns auf den Weg um ein Lokal zu finden. 300m weiter die Küstenstraße entlang tobte das Leben! Nea Makri hieß der Ort. In einer Pizzeria am Meer aßen wir zu Abend und hörten endlich mal gute Musik, nicht immer die griechische Lala.
Es wäre total ruhig hier, wären da nicht die spätpubertierenden Männer, die mittels Auto mangelnde Intelligenz und Penisgröße kompensieren würden! Das ganze geht folgendermaßen ab: man nehme einen Kleinwagen oder BMW (je nach Geldbeutel), lege ihn tiefer, statte ihn mit Breitreifen, Alufelgen und riesigem Auspuffrohr aus (sieht bei einem Polo echt albern aus) und versuche auf der geraden Küstenstraße, die gleichzeitig als Flaniermeile dient, 150-200 km/h drauf zu kriegen. Nachtruhe ade!!
Dienstag, 30.09.03
Von Evia bis Amaliapolis
404 km, 16 Feuer
Am Morgen haben wir gebummelt, den Sonnenaufgang genossen, Kaffee getrunken und fasziniert in den dreckigen Hotelpool gestarrt. Um 9:00 machten wir uns auf den Weg nach Agia Marina um die Fähre nach Evia zu nehmen. Unterwegs kamen wir durch die Stadt Marathon. Schlagartig wussten wir, warum vorher 10 km Baustelle war; Olympia lässt grüßen! Die Sportler werden bestimmt die antike Strecke von Marathon nach Athen auf neuem Asphalt laufen. Ob die Strecke bis dahin fertig ist, wagen wir zu bezweifeln. Ich werde während der Olympischen Spiele permanent vorm Fernseher sitzen. Nicht wegen der Wettkämpfe, sondern wegen der Sendungen über Pleiten, Pech und Pannen!!!!
Um 10:30 verließen wir das Festland und setzten nach Nea Stira auf Evia über. Das 1. Feuer hatten wir um 11:20. Dann ging es zu einem kleinen Ort namens Boufalos, ein richtig idyllisches Plätzchen. Dann durchquerten wir den Süden Evias bis Halkida Ab da begann der Alptraum für Autofahrer. Stau bis zum Zielort Nea Artaki. Deshalb haben wir erst einmal ein Mittagspäuschen eingeschoben. Zum 1. Mal in diesem Urlaub gab es Picknick mit Tunfisch. Wir saßen auf einer verdreckten Hafenmole und beobachteten 2 Riesenquallen im Hafenbecken. Nach erneutem Stau verließen wir Evia und fuhren Richtung Volos. Wir nahmen die Autobahn, denn das nächste Feuer war 50km entfernt in einem hübschen Ort namens Skala Atalantis. Auch der nächste Ort, Skala Livanates war sehr schön, aber - wir mussten weiter! Wir wollten die Fähre in den Norden Evias von Arkitsa aus nehmen, doch als wir dort ankamen, war es 15:45 und die Fähre fuhr um 17:15. Zu lange Wartezeit. Wir beschlossen, den Bogen über das Festland nach Glifa zu fahren, um von dort eine Fähre nach Evia zu nehmen. Da kamen wir um 17:00 an und die Fähre fuhr erst um 19:00.
Nach einer Lagebesprechung beschlossen wir, das einzige Feuer, was uns im Norden Evias noch fehlte, aufzugeben. Es war auch kein neues Feuer, sondern eins, was wir vor 3 Jahren schon nicht bekommen haben, obwohl es auf einer Mole stehen soll. Hat wahrscheinlich jemand umgefahren!!
Nächstes Ziel war Amaliapolis. Der Weg dorthin führte durch eine große Hochebene, auf der die Bauern ihre Stoppelfelder abfackelten. Die ganze Ebene war verqualmt, sah aus wie Smog.
Schon am Ortseingang von Amaliapolis habe ich mich in den Ort verknallt! Das lag nicht nur an dem Schild am Anfang des Orts: "Durchfahrt zwischen 21:00-24:00 verboten!" Flaniermeile am Wasser entlang ohne pubertierende Autofahrer.
Aber auch ansonsten war der Ort nach unserem Geschmack. Klein, an einer langgezogenen Bucht gelegen, in der eine Insel liegt.
Obwohl es erst 18:00 war, suchten wir ein Zimmer. Im Hotel "Nancy" bekamen wir ein Appartement für 30 mit Küchenzeile, Wohnecke, großem Balkon, Meerblick, TV und gutem Bad. Eigentlich das schönste Zimmer dieser Reise.
In einer kleinen Taverne am Meer haben wir zu Abend gegessen und dabei viel erlebt. Ein kleines Katzenbaby lief zwischen den Tischen umher. Wir hatten laufend Angst, dass es zertreten wird.
Am Nebentisch saßen 3 junge Griechen, die sich beim Essen mit Ouzo voll laufen ließen. Die Freundin des einen Griechen kam dazu, ging nach einer halben Stunde zu ihrem Auto, holte einen Bündel Klamotten, warf es ihm vor die Füße und fuhr wütend davon. Der arme Kerl war so blau, der hat das gar nicht mitgekommen.
Hunde, Katzen und Kinder rannten umher, ein Hund meinte eine kleine Katze als Beute zu nehmen und damit in der Küche zu verschwinden. Ein herrliches griechisches Durcheinander.
Das Essen war lecker, der Wein schmeckte besonders gut, also ein gelungener Abend.
Mittwoch, 01.10.03
Von Volos bis Platamonas
330 km, 8 Feuer
Die Nacht war kurz denn die gurrenden Tauben holten uns früh aus dem Bett. Dafür wurde mir aber ein phantastischer Sonnenaufgang geboten. In der Nacht hatte es geregnet und die Luft war am Morgen herrlich frisch.
Erstes Feuer: eine Zementfabrik vor Volos. Leider hatten wir für diesen Bereich von Griechenland nicht unsere super Faltkarte sondern nur den Straßenatlas. Deshalb irrten wir herum und fanden das Feuer nicht (8:45 gestartet und um 10:30 immer noch ohne Feuer).
Um 10:45 hatten wir es dann, im Radio spielte Simply Red ohne Rauschen und die Sonne war auch endlich wieder richtig da. Was will man mehr!!
Nach den Leuchtfeuern von Volos ging es auf die Halbinsel Pilios, die die östliche Seite der Bucht von Volos bildet. Der Pilios ist sehr bergig. Bis zum Örtchen Plantania hatten wir 60 kurvige Kilometer vor uns. Die Vegetation ist hier ganz anders. Es wachsen Erika und viele Laubbaumarten. Durch den häufigen Regen blühen bunte Blumen am Wegesrand. Oben von der Bergstraße aus hat man einen phantastischen Blick auf die Nordseite Evias; einfach herrlich, dieses Land.
Plantania war unser letztes Feuer für heute, obwohl es erst 13:30 war. Wir hatten eine Verabredung!!
In Platamonias, unterhalb des Olymps, wollten wir uns mit Alex Eltern treffen. Wir nahmen die Autobahn Richtung Norden, die durch große fruchtbare Ebenen führte. Hier wurde viel Baumwolle angebaut (nachfolgend nur noch T-Shirt-Felder genannt!). Das letzte Stück der Autobahn war wieder 1 ½-spurig und führte durch die Ausläufer des Olymp-Gebirges. In einer Schlucht war ein großer Parkplatz, weil dort eine Quelle mit heiligem Olympwasser entspringt. Ganze Reisebusse decken sich dort mit Wasser ein.
Um 15:30 trafen wir uns mit Christine und Dimitri am Hafen von Platamonias. Die Freude war groß und bei einem Frapé tauschten wir unsere Urlaubserfahrungen aus. Wir saßen da so gemütlich im Strandlokal als plötzlich ein Paraglider am Strand landete. Dimitri fragte sofort nach ob der junge Mann vom Olymp gesprungen sei, aber es war nur ein Nebenberg.
Im Feriendomizil meiner Schwiegereltern herrschte Musikkrieg. Der Pensionsbesitzer spielte sehr laute schreckliche griechische "Vaterlandsmusik" um den Nachbarn zu provozieren. Pech für uns, denn das Gedudel ging einem auf die Nerven. Die Unterkunft war eh nicht das, was wir uns ausgesucht hätten: kein Meerblick, Fußende am Bett, kein Service (für uns bestehend aus Handtüchern und Klopapier). Aber wir hatten ja Christine, die uns mit allem versorgte.
Nach Ouzo und Mezé mit lauter Musik machten wir uns auf den Weg zum Essen. Dimitri hatte extra sämtliche Lokale ausprobiert und das an der angestrahlten Burg für sehr gut befunden. Doch er hatte die Rechnung ohne den Kalender gemacht ;-)
Heute war der 1. Oktober und schlagartig Saisonende. Gestern noch leckere Ziegensuppe, gefülltes Lamm und Weißwein, heute noch nicht mal mehr Spaghetti. Aber wir kriegten nach langem hin und her doch noch was Leckeres zu essen (sogar ΄ne Karaffe Weißwein wurde noch aufgetrieben).
Den Abend ließen wir auf der Terrasse ausklingen, mit Blick auf die Milchstraße und ohne Musikkrieg.
Donnerstag 02.10.03
Von Thessaloniki bis Olympias
364 km, 19 Feuer
Der Morgen begann mit Frühstück, inklusive Filterkaffee und Ei. Schnell drückten wir Dimitri noch ein paar Feuer von Skiatos aufs Auge und ab gings zum 1. Feuer. Doch nicht weit! Als Alex das GPS anstellte und das Feuer in Ioannis eingab, bemerkten wir, dass wir auf die Namensmonotonie der Griechen reingefallen waren! Wir wähnten das Ioannis im Norden, es war aber unweit des letzten Feuers von gestern. Aber wozu hat man Eltern, die nach Süden aufbrechen. Wir überzeugten sie, dass der Pilios doch sooo schön ist und sie übernahmen auch das Feuer.
Wir brachen nun endlich in Richtung Saloniki auf. Die Autobahn führte uns wieder durch große T-Shirtfelder, die bis zum Horizont reichten.
Der Verkehr in Saloniki war natürlich ätzend, aber was wir von der Stadt so von der Meerseite mitbekommen haben, scheint sie recht schön zu sein.

Wir fuhren anschließend südwärts Richtung Chalkidiki. Nächster Halt: Nea Moudania, ein nettes Örtchen mit einer alles überragenden Kirche. Weiter nach Nea Potidea, ein hübscher Ort am schmalsten Punkt des linken "Fingers" von Chalkidiki. Dort hat man einen Kanal durch den "Finger" gegraben, damit die Schiffe abkürzen können. Zwischen dem linken und dem mittleren Finger gibt es einen riesigen Sandstrand, von wo aus man draußen ein Leuchtfloß sehen kann. Strand? Na, da haben wir mal eine Stunde Urlaub eingeschoben und sind an diesem dreckigen, aber menschenleeren Strand schwimmen gewesen. Das Wasser war klar, der Sand war halt ungepflegt. Nun hatten wir wieder eine lange Fahrstrecke vor uns, von der Wurzel des linken Fingers zur Wurzel des rechten Fingers. Wir legten einen Zwischenstopp in Nikiti ein, (mittlerer Finger) um das zukünftige Feriendomizil von den Eltern zu begutachten. Durch Wälder ging es weiter nach Ierissos. Dort sind berühmte Bootsbauer zu hause, die Holzboote fertigen.
Letzter Ort des Tages war Olympiada, ein Ort nach unserem Geschmack, klein, übersichtlich und an einer schönen Bucht gelegen. Wir nahmen ein Zimmer im Hotel Germany (35). Die Zimmer waren nett, toller Balkon mit schicken Sesseln und Meerblick Der Besitzer hat 7 Jahre in Dortmund gelebt, konnte sehr gut deutsch und war von Whisky sehr angetan. Wir aßen in seinem kleinen Restaurant, erst in Katzengesellschaft, später kam er persönlich an unseren Tisch. Das Essen war sehr lecker, der Wein war gut, also ein richtig schöner Abend. Die Mücken ließen uns in der Nacht auch in Ruhe, alles optimal. Abgerundet wurde der Abend noch von einer SMS von Dimitri; er hatte das Feuer in Ioannis geschossen!
Freitag, 03.10.03
Von Akra Spathi bis Makris und weiter nach Veria
395 km, 14 Feuer
Um 9:00 verließen wir Olympiada über die Autobahn, an Kavala vorbei, Richtung Osten. Die Gegend ist sehr schön. Es wird viel Wein angebaut. Das Feuer von Akra Spathi war auf einer Industriemole, aber wir sind ganz leicht rangekommen. Man muss ja auch mal Glück haben.
Nun ging es weiter nach Lagos, an T-Shirtfeldern und Pulloverschweinen (Schafe) vorbei, durch große weite Ebenen. Lagos liegt zwischen einem großen See und dem Meer. Es sieht gar nicht griechisch aus, eher wie die Duisburger 6-Seen-Platte. Alles so flach, mir fehlen die Berge. In Imenos gibt es zwar einen großen Jacht/Fischereihafen, aber keinen eigentlichen Ort, nur archäologische Ausgrabungsstätten. Östlichste und letzte Station für heute war Makri. Es liegt vor Alexandropolis, was ja schon nahe der türkischen Grenze ist. Nach dem letzten Feuer tranken wir einen Frapé und machten uns auf den langen Weg nach Westen. Über 700km quer durch Griechenland lagen vor uns. Um 15:00 ging es los. Bis Mesti war es bergig und nur mit Buschwerk bewachsen. Zwischen Mesti und Komotini war eine breite Ebene mit Weizenfeldern. Die nächsten 50 km bis Xanthi hatten wir links Felder und rechts das Anatoliki-Gebirge. Hier gab es viele Orte mit Minaretten. Die Gegend ist wasserreich, alle Flüsse führten Wasser. Hinter Xanthi mussten wir ein großes Bergmassiv umfahren. Die Strecke ging durch Waldgebiete. Wir überquerten den Nestos, einen Fluss, der viel Wasser führte. Leider hörte dann die Autobahn auf und wir quälten uns über die Landstraße weiter. Hinter Xerias beherrschten Steinbrüche das Landschaftsbild. Die Autobahn kam wieder und vor Kavala hatten wir wieder das Meer an unserer Seite. Hinter Kavala fuhren wir durch fruchtbare Ebenen, wo der Weinbau vorherrschte. Später lösten Obstbäume, Olivenhaine und Kohlfelder die Weinfelder ab.
Kurz vorm Fluss Strimonas legten wir eine Suflaki-Pause ein. Bis hierher waren wir 2 Stunden seit Alexandropolis unterwegs. Bis Stavros befuhren wir eine 1 ½ -spurige Autobahn. Dann zweigte die Bahn Richtung Saloniki ins Landesinnere ab. Wir nahmen die Landstraße am nördlichen Ufer des Sees Volvi. Bevor der 2. See Koromia kam, fing wieder eine Autobahn an. Dank der Umgehungsautobahn blieben wir vom Thessaloniki-Feierabendverkehr verschont.
Die ganze Ebene lag im Dunst, nicht wegen des Smogs, sondern weil die Bauern ihre Stoppelfelder abbrennen.
Um 19:00 erreichten wir Veria, die letzte größere Stadt vorm Gebirge (30.000 Einwohner). Hier sollte es 4 Hotels geben. Das preiswerteste was wir fanden war die Villa Elia, kostete 50 , hatte keinen Balkon, aber egal. Es war Freitag und alle 30.000 Einwohner waren unterwegs. Eine Bar reihte sich an die nächste, nur Restaurants fanden wir nicht. Nachdem wir 1 Stunde durch die Stadt gelaufen waren, Brautgeschäfte, 10 Blumenläden und 30 Konditoreien gefunden hatten gaben wir auf und gingen in eine Suflaki-Bude, in der man wenigstens sitzen konnte. Das Essen war gut, das Bier lecker und wir fanden tatsächlich wieder ins Hotel zurück!
Samstag, 04.10.03
Veria über Kerkira nach Akra Arilla
409 km, 10 Feuer

Wir fuhren früh los um die Berge hinter uns zu bringen. 1. Etappe über den 1260 m hohen Pass der Veriaberge, danach 50 km lang durch eine 650 m hoch gelegene Ebene Richtung Grevena. Nun kam der hohe Pass mit 1522 m (es lebe das GPS mit Höhenanzeige). Nach 5 Stunden kamen wir endlich auf der anderen Seite in Igomenitsa an. 13:25 am Hafen, um 13:30 ging die Fähre nach Korfu. Wir haben sie gekriegt!
Man braucht übrigens 9 Stunden um Griechenland im Norden zu durchqueren.
Um 15:00 legten wir auf Korfu an. Es sieht alles sehr italienisch aus. Bei näherem Hinsehen bemerkten wir dass hier wirklich mehr Italiener rumlaufen als Griechen. Herrlich: Heute gibt's Pizza!
Die ersten 3 Feuer hatten wir innerhalb von 1 ½ Stunden. Auf Korfu ist eh nur Korrekturfeuern angesagt; Schwiegereltern waren schon da und haben volle Arbeit geleistet.
Korfu ist mir persönlich zu touristisch. Nur englische oder italienische Werbeschilder. Im Norden lässt es etwas nach. Agios Stefano (Achtung - gibt es 2x auf der Insel) ist sogar ein recht beschaulicher Ort. Allerdings war mein Blick auf den Ort etwas verzerrt, denn ich stand 1000 m darüber und guckte nur runter, während mein Wanderer unterwegs war. An der Nordspitze hat Alex albanische Leuchtfeuer fotografiert. Über den Norden fuhren wir in den Osten. Hier ist es viel bergiger. Es gibt kein durchgängiges Straßennetz, nur kleine schmale Straßen von Bergdorf zu Bergdorf.

An der nördlichen Seite der Bucht von Agios Georgios war vorne am Kap Akra Arilla ein Feuer. Bis zu einer Taverne ging ein Weg, von da an waren laut GPS 2 km Luftlinie Fußmarsch angesagt. Da die Taverne so schön über der Bucht lag versuchten wir ein Zimmer zu kriegen und bekamen es (35 ). Es hatte sogar Kühlschrank, Flur, Bad riesige Terrasse. Alex machte sich um 18:00 auf die Wanderschaft und ich genoss die Aussicht von der Terrasse über die ganze Bucht. Leider wurde das Wetter schlechter. Es ging ein starker Wind und draußen wurde es ungemütlich. Alex kam um 20:00 wieder, total geschafft, durchgeschwitzt bis auf die Haut, aber ohne Feuer. Das Kap war total zugewachsen, es gab kein Durchkommen.
In der hauseigenen Taverne haben wir zu Abend gegessen und uns anschließend noch nett mit einem Pärchen aus Bielefeld unterhalten.
In der Nacht zog ein Sturm auf. Ich konnte gar nicht schlafen, obwohl ich doch so ein Sturm-Fan bin.
Sonntag, 05.10.03
Von Akra Arilla bis Vraki Lagudhia
245 km, 2 Feuer
Gegen morgen hatte sich zwar der Sturm gelegt, aber die Sonne schien nicht. Die Berge im Osten von Korfu sind schlimmer zu durchfahren als alle Berge in Griechenland zusammen. Ich wollte nur noch weg! Hoffentlich fuhren die Fähren bei dem Sturm. Auch die vielen Netze, die unter den Olivenbäumen für die Ernte lagen, konnten mich nicht erheitern. Wir fuhren in den südlichsten Ort von Korfu, Kavos. Hier sollten Fähren nach Paxos fahren. Taten sie aber nicht! Kavos ist voll in englischer Hand, mit McDonalds, China-Restaurants und Sex-Clubs. Obwohl wir schon Oktober hatten, war es wahnsinnig voll hier. Da möchte ich nicht die Hauptsaison erleben!
Fazit Korfu: Landschaftlich eine sehr schöne Insel. Was nervt sind die engen Gebirgsstraßen (als diese gebaut wurden, waren Esel noch das Haupttransportmittel). Der Tourismus ist mir zu extrem, denn im manchen Orten findet man keine griechischen Buchstaben mehr.
Wir fuhren in den Hauptort zurück und nahmen die Fähre nach Igomenitsa (2 Personen + Auto 34 eine Fahrt). Ankunft auf dem Festland 16:00. Abfahrt der Fähre nach Paxos 15:30! Die nächste ging zwar am nächsten Morgen, die wäre aber erst Dienstag zurück und da sitzen wir ja im Flieger gen Düsseldorf!!
Und nun? Alex überlegte krampfhaft, ob er sich für die verbleibenden 44 Stunden in Griechenland ein neues Hobby suchen sollte!?! Wir beschlossen, Urlaub zu machen. Nur - wie macht man Urlaub??
Wir fuhren Richtung Preveza und kamen an Vrachos vorbei. Hier wohnen die Eltern vom Besitzer unseres griechischen Stammlokals in Duisburg. Durch eine Umleitung kamen wir durch den Küstenort unterhalb von Vrachos, Lidia vorbei. Hier gibt es einen phantastischen menschenleeren Sandstrand. Durch den Sturm gab es hier meterhohe tolle Wellen. Schwimmen war nicht möglich, nur umwerfen lassen. Der Sand war in jeder Ritze des Körpers, aber es war klasse.
Um 17:30 fuhren wir erschöpft weiter um ein Zimmer zu suchen. Doch man merkte das Saisonende. Alle Pensionen und Hotels hatten zu. In Pantokrato, 2 km vor Preveza, fanden wir was im Hotel Kastro. Nichts dolles aber preiswert (20 ). Gegenüber dem Hotel, direkt am Meer liegt ein altes Kastell, was dem Hotel seinen Namen gab. Sah abends angestrahlt toll aus.
Zum Abendessen fuhren wir nach Preveza und aßen am Hafen Pizza. Ich hatte mich mal wieder so überfressen, dass ich im Supermarkt nebenan eine Mini-Flasche Ouzo kaufen musste. Schon auf dem Parkplatz hat er ganze Arbeit geleistet!
Montag, 06.10.03
Von Preveza bis Lefkas
135km, 2 Feuer
Der Morgen begann mit Miniameisen überall! Da wir schon abends kein gescheites heißes Wasser in der Dusche hatten, beschlossen wir die letzte Nacht woanders zu verbringen. Es kam eine Schlecht-Wetter-Front auf uns zu und der Wind frischte auf.
Bereits um 10:00 hatten wir das Kastell vor unserer Haustür besucht. Es war ganz toll, besonders die mit Ziegelsteinen gemauerten Decken. Oben auf dem Kastell hat man eine Kapelle gebaut. Manche Räume haben Fenster direkt über dem Meeresspiegel. Zum Schutz hat man ganz dicke Glasscheiben eingesetzt, aber das Meer hat sie zerschlagen und bergeweise Seegras ins Innere gebracht.
Wer dieses Kastell besuchen möchte: Anfahrt von Preveza - immer am Meer entlang. Anfahrt von Norden - in Mikitas von der Schnellstraße abfahren und immer am Meer entlang.
Auf dem Weg nach Preveza, wo wir die letzten 2 Feuer schießen wollten, fing es immer stärker an zu regnen. Wir benutzten den neuen Tunnel, der unter der Bucht entlang führt (3 ) Richtung Lefkas. Hier wollten wir unsere letzte Nacht verbringen. Als wir dort um 11:00 ankamen, blitze und donnerte es. Der Regen wurde schlimmer, es hagelte sogar. Man konnte die Straße kaum noch sehen. Zwischen 2 Schauern fanden wir eine Pension. Sie lag zwar direkt an der Küstenstraße, aber zur Meerseite hinaus mit traumhaftem Ausblick über die Bucht zum Festland rüber (20 mit kleiner Küchenzeile). Bevor wir das Auto ausräumen konnten kam der nächste Schauer runter. Tasula lud uns in ihre Küche zu Kaffee und Plätzchen. Als es endlich aufklarte, bezogen wir unser Appartement und überlegten, was wir jetzt tun könnten. Wir beschlossen, Bummeln zu gehen. Auf dem Weg nach Nikri sahen wir wieder die Hinweisschilder zu den Wasserfällen, die mir schon am 1. Urlaubstag aufgefallen waren. Also hin, wir hatten ja jetzt Zeit und Glück, dass es so stark geregnet hatte. Dadurch war kein Rinnsal zu sehen, sondern ein richtig reißender Fluss. Die Schlucht war mit üppiger Vegetation bewachsen, es gab tolle Kaskaden und Wasserfälle. Wir fanden Laubfrösche und sogar wilde Alpenveilchen. Ein toller Ausflug.
Im Touri-Ort Nikri haben wir ein Snack am Hafen genommen und Leute beobachtet. Alles war voller Engländer, die schon am Vormittag die Gallonen Bier auf den Tischen hatten. Nach einem Bummel durch den Ort standen wir wie blöd da. 14:00! Was machen wir denn nun so im Urlaub? Kultur hatten wir schon um 10:00, Natur hatten wir um 12:00 und Bummeln um 14:00. Was macht man sonst so im Urlaub? Ach ja, man kann Schwimmen gehen. Das taten wir an einem kleinen einsamen Kieselstrand.
Um 16:00 hieß es: Auto aufräumen. Nun rächte es sich, dass man 14 Tage lang allen Scheiß in den Kofferraum geworfen hatte.
Am Abend gingen wir mit Blick auf unser erstes Leuchtfeuer des Urlaubs in Lidia/Lefkas zum Essen.
Dienstag, 07.10.03 Abfahrttag
Um 10:00 war alles gepackt und verstaut. Wir verabschiedeten uns von Tasula und machten uns auf zum Airport. Auf dem Weg bekamen wir noch ein letztes Highlight geboten. Die Schwimmbrücke von Lefkas fuhr zur Seite um Segelboote durchzulassen.
Am Flughafen hätte man beinahe vergessen uns einzuchecken, aber es hat dann doch alles geklappt. Nach einem etwas turbulenten Flug landeten wir um 14:00 in Düsseldorf und, oh Wunder, sogar unser Gepäck ist mitgekommen.