Sonntag, 16.05.04
Auf zur grünen Insel!
Zwei liebe Kollegen von Alex fuhren uns zum Kölner Airport. Trotz allem Charme und Überredungskünsten mussten wir in Köln für das Molenrad Übergepäck bezahlen. Da nutze auch das Telefonieren mit dem OPS in Düsseldorf nichts (im Gegenteil - das machte es nur noch teuerer).
Wir flogen zum 1. Mal mit einem Billigflieger, einem, wo man das Brötchen und den Kaffee selber kaufen muss (ist nicht so meine Welt).
In Dublin gelandet staunten wir über das Mietwagen-System. Die Formalitäten erledigten wir am Airport, aber zum Auto fuhren wir mit einem Shuttlebus, weil der Wagenpark 10 km außerhalb des Flughafens lag. Vielleicht, damit die Unfälle mit den ungeübten Touristen nicht die Zufahrt zum Flughafen versperren.
Die 1. Fahrt war ganz ok. Ich habe mich zwar permanent verschaltet, bin viel zu weit links gefahren, aber die vielen Verteilerkreise waren nicht so schlimm wie ich befürchtet hatte. Parken, sogar normal vorwärts in eine Parkbucht, war sehr ungewohnt.
Das 1. Feuer schossen wir bereits am Flughafen. Die nächsten waren auf der Halbinsel Howth. Es war Sonntag und gutes Wetter, da wollten alle raus aus der Stadt. So war auch der Verkehr. Für Eine, die zum 1. Mal auf der falschen Straßenseite fuhr, war das schon heftig in den engen Straßen am Hafen.
Für das nächste Feuer, ein Leuchtturm aktivierten wir das GPS, doch es dauerte ewig bis das Gerät genügend Satelliten fand. Gibtīs keine über Irland??
Mit dem neuen Paparazzi-Teleobjektiv brachte Alex schon am ersten Tag die irische Bevölkerung zum Staunen.
Die große Bucht von Dublin lag vor uns. Das Flut war einlaufend. Man konnte förmlich zusehen wie Wasser reinströmte. In dieser Bucht gibt es einen großen Autostrand. Dort heizen die Leute wie bekloppt mit den Autos durch den Sand, trinken Bier, alles nach dem Motto: Sehen und gesehen werden. Ist wohl eine irische Sonntagsbeschäftigung.
Wir sahen um 17:30 das 1. B&B, aber da war es noch zu früh. Wir feuerten im Dubliner Hafen. Ging flott, weil sonntags keiner dort arbeitet. Die Sonne stand immer noch am Himmel und wir merkten gar nicht wie spät es schon war (19:45). Wir fuhren ein Stück zurück zur Dublin Bay und entschieden uns für das B&B "White House", weil Alex verstanden hatte 22 EUR p. P., die Dame meinte aber anschließend 32 EUR p. P. Das sollte aber nicht der einzige Reinfall des Tages bleiben. Nach unserem obligatorischen Kaffee suchten wir ein Restaurant. Wir fanden einen Chinesen. Damit hatten wir im Ausland bisher immer gute Erfahrungen gemacht (lecker und preiswert). So lief das aber nicht in Irland! Der Chinese war total teuer. Beim Verlassen des Lokals wunderten wir uns, dass wir nicht noch die Unterhose des Kellners zahlen mussten!!
Alex hat sich unheimlich geärgert, aber solche Erfahrungen macht man halt im Ausland. Morgen sind wir cleverer!
Die Nacht war ruhig, trotz der Küstenstraße und vom Fenster aus konnten wir die Leuchtfeuer vom Dubliner Hafen sehen. Was will man mehr.
Montag, 17.05.04
Unser 1. irisches Frühstück erwartete uns, bestehend aus Kellog's, O-Saft, Kaffee (dünner als Tee), Toast mit Marmelade, Spiegelei mit gebratenem Schinken, 2 Würstchen und Black and White Pudding (helle und dunkele Art von Grünz- oder Getreidewurst. Muss man nicht haben). So gestärkt machten wir uns um 9:00 auf zum Dubliner Hafen, den Rest zu feuern. Das Wetter war gut, 17-18°, Sonne und Wolken wechselten. Um 12:00 waren wir fertig und wir verließen Dublin Richtung Dun Loaghire. Hier ist der Fährhafen von Dublin, also immer noch Großstadt, noch keine typisch irische Landschaft.
Über die Autobahn ging es weiter nach Wicklow, ein hübsches beschauliches Städtchen, das bei Sonnenschein noch freundlicher wirkte. Zum Leuchtturm Wicklow Head packte uns dann endlich das richtige Leuchtfeuer-Fieber; Schotterpisten, Schlaglöcher, alles was zum Feuern dazugehört! Von dort aus ging es über typisch schmale Landstraßen Richtung Arklow. Endlich war die Landschaft irisch! Satte grüne Wiesen mit Hecken aus Ginster dazwischen, sanft hügelig und sehr wohltuend für Seele und Augen. Das ließ auch mein zu weites links fahren vergessen (4 Bordsteine waren schon mitgenommen).
Leider zog sich der Himmel etwas zu. Das war schlecht für die Windkrafträder, die befeuert vor der Küste standen und die wir fotografieren sollten. Da nutze auch das Paparazzi-Tele nicht viel. Wir versuchten es vom Britta-Strand, der einer der schönsten an der Küste sein soll. Obwohl der Wind pfiff und die Sonne hinter den Wolken verschwand, lagen ein paar Iren eisern im Bikini am Strand (die haben bestimmt genetischen Frostschutz im Blut).
Zwischen Arklow und Wexford lagen viele Kilometer berauschende Landschaft vor uns. Die Fahrt war angenehm, weil kaum Verkehr war.
Wexford ist keine tolle Stadt, deshalb schnell 3 LF abgefeuert und weiter nach Rosslaire. Ich hatte Kaffeeentzug. Zum Glück fanden wir in Rosslaire eine Tanke, an der wir frischen Kaffee und Sandwichs bekamen. Das weckte die Lebensgeister. Es war ein beruhigendes Gefühl, dass es in Rosslaire mengenweise B&Bs gibt, aber wir dachten noch nicht an den Feierabend. Es war erst 18:00 und wir wollten den Tagessatz von 43 Feuern erreichen. Nach den Feuern in Carne, einem kleinen Örtchen, nahmen wir uns ein B&B an einer ruhigen Nebenstraße auf dem Land. Es kostete 50 EUR ohne Frühstück. Das Zimmer war sehr nett und britisch eingerichtet. Allerdings war es ein Nichtraucher-Haus. Gut, dass man einen Taschenaschenbecher bei hat! Also ab nach draußen.
Am Abend gab es noch eine Odysee! Wir wollten um 21:00 etwas Essen gehen, aber das ist keine gute Zeit in Irland. 1. Pub namens Lighthouse hatte zu. 2. Pub hatte auf, aber kein Essen. Man empfahl uns dort nach Rosslaire zu fahren ins Porthouse. Auf dem Weg dahin fanden wir noch ein Restaurant, aber das hatte nur Essen bis 21:00. Das Porthouse war uns zu teuer, also fuhren wir wieder zur Tanke, an der wir nachmittags Sandwich gegessen hatten. Dort gab es um die Uhrzeit auch nichts mehr zu Essen, aber die nette Frau dort empfahl uns einen Take away im Ort. Mit Burger und Pommes saßen wir dann oberhalb des Fährhafens auf einer Bank und speisten mit Sonnenuntergang. Danach genehmigten wir uns noch ein Bier inklusive Fußballmatch per TV im 2. Pub.
18.05.04 Dienstag
Wir standen mit Sonne auf. Unser 1. Feuer war eine Großtonne draußen in der Bucht. Danach fuhren wir nach Kilmore, einem richtig schönen Städtchen. Dort machten wir Breakfast auf der Hafenmole in der Sonne. Nächstes Ziel war Hook of Head, an deren Spitze ein Leuchtturm auf tollen Klippen steht, mit Blick über die Bucht von Waterford. Auf der Hook-Halbinsel besuchten wir einen alten Friedhof mit einer alten Kirchenruine. Schöne alte windschiefe verwitterte Grabsteine standen herum, ab und ab dazwischen ein neues Grab. Hier in Irland werden die alten Steine zum Glück nicht nach 30 Jahren entsorgt.
In Duncannon war das Leuchtfeuer auf einem alten Fort. Der große Sandstrand daneben war menschleer. Die Straßen waren zum Glück auch leer, denn sie waren hier sehr schmal und von Hecken oder Mauern gesäumt. Das Land war leicht hügelig, überall blühten ginsterartige gelbe Büsche, dazu schien auch noch die Sonne und es wehte ein leichter Wind. Es war hier herrlich erholsam.
Das Autofahren klappte auch immer besser. Hatte an diesem Tag noch keinen Bordstein mitgenommen. Feuertechnisch folgte nun eine Powerstation. Feuer, die erfahrungsgemäß schwierig zu kriegen sind. Aber über Feldwege kamen wir dann doch hinter dem Kraftwerk an den Fluss. Für Alex folgte ein langer Fußmarsch um noch einige Flussfeuer und Ölpiers am River Barrow zu schießen. Ich sonnte mich derweil am Straßenrand.
Dieser Fluss hatte es in sich! Zu jedem Feuer Fußmärsche. Bei einem parkte ich am Ende einer Sackgasse im Wald vor einem verlassenen Haus. Alles war zugewuchert. Und wie ich da so im Auto sitze und lese, bemerke ich ein Rascheln in den Büschen neben mir. Dort lief eine große Ratte umher! Ich bin dann nicht ausgestiegen!!
Um 19:30 wollten wir Feierabend machen, aber an diesem Fluss war weit und breit kein B&B. Außerdem war unser Tank leer. Wir fuhren Richtung Meer nach Dunmore East. Dort fanden wir recht schnell ein Zimmer. Nett eingerichtet, ruhig nach hinten raus gelegen, mit Sitzgelegenheit vor der Tür. Die Besitzer empfahlen uns das Restaurant "Ocean View", aber das fanden wir nicht. So gingen wir ins "Ship". Nach einem Blick in die Speisekarte war klar...Nobelschuppen! Tomaten mit Mozzarella kostete 18,75EUR. Also sind wir dezent aufgestanden und gegangen. Im Ort fanden wir eine Take away Pizzeria. Wir holten uns zwei für je 9EUR und aßen sie auf der Hafenmole. Zurück im B&B war nur noch duschen und schlafen angesagt. Ein Pub-Besuch fiel wegen Müdigkeit aus.
19.05.04 Mittwoch
Um 8:30 waren wir wieder am Fluss. Die Wanderei ging weiter. Alex hatte Glück, denn das Wetter war ok, 14° und ab und an Sonne. Ich stand 1 1/2 Stunden in einer Hofeinfahrt und wartete. Als Leuchtfeuer-Fahrer hat man ein einsames Leben. Ich unterhielt mich sehr lange mit den Kühen auf der Weide neben mir. Nach dieser öden Warterei fuhren wir 40 km weiter nach Dungarvan. In einem Supermarkt kauften wir Vanillepudding mit Erdbeeren und Sahne. Diese Köstlichkeit verspeisten wir am Feuer in Dungarvan. Das ist ein hübscher Ort mit mindestens 100 Roundabouts. Zum Glück hat man um Youghal, unserem nächsten Ziel, eine Umgehungsstraße gebaut. So bleibt der nette Ort mit seinem tollen Strand vom Verkehrschaos verschont.
50 km weiter fing die Bucht von Kork an. Der östliche Leuchtturm war noch leicht zu kriegen, aber schon die nächsten Feuer waren an einem Abhang und für Alex ging das Wandern wieder los. Auf Great Island, einer Insel in der Bucht von Kork gelegen, hat es uns sehr gut gefallen. Alles ruhig und beschaulich, hübsche Häuser, schmale Straßen und viel Wald. In der East Ferry Marina auf Great Island haben wir alle Leute am Hafen aufgemischt weil ein Leuchtfeuer nicht da war. Der "Marina-Wächter" war sichtlich geschockt dass da ein Deutscher mit dem britischen Leuchtfeuerverzeichnis vor ihm stand und nach dem Verbleib des Feuers fragte. Man hatte es nämlich im Zuge von Renovierungsarbeiten abgebaut, am Waldrand gelagert und eigentlich nicht vor, es wieder aufzustellen. Nun gelobte man aber dem "Kontrolleur" Besserung. Sofort wollte man sich darum kümmern dass das Feuer wieder an seinen Platz kam. Außerdem teilte man Alex auch noch den Zahlencode für das Tor zur Jachtenmole mit, damit der Kontrolleur auch nachts besser die Boote klauen konnte ;-)))
Durch den Berufsverkehr fuhren wir zum Flughafen von Kork. Auch hier tront ein Feuer auf dem Tower. Weiter ging es Richtung Westen auf die andere Seite der Korkbucht. In Carrickaline, einem Ort oberhalb der Bucht fanden wir ein B&B. Das hatten wir gar nicht erwartet weil alles voller chemischer Industrie war (Pfizer). Aber plötzlich tauchte dieser nette Ort auf, als gäbe es die Viagra-Werke nicht. Wir aßen beim Thailänder und nahmen anschließend noch ein Murphey's in einem riesengroßen Pub. Dazu gab es Fußball auf einer extrem-großen Leinwand. Mit Muskelkater und Blasen an den Füßen ging Alex an diesem Abend ins Bett.
20.05.04 Donnerstag
Wir wurden von der Sonne geweckt und waren um 8:30 wieder auf Tour. Heute gab es wieder normale Hafenfeuer. Kein Fluss mehr in der Nähe. So kamen wir auch gut voran und hatten bereits um 11:00 17 Feuer geschafft. Höhepunkt des Feuerns in Cork war der Leuchtturm Robert's Cove an der Westspitze der Corkbucht. Über kleine Nebenstraßen kamen wir nach Kinsale. Erstes Feuer dort lag auf dem Charles Fort. Von dort hatte man einen schönen Ausblick auf die Stadt Kinsale. Es hatte sich etwas zugezogen und der Wind nahm zu. Wir kamen durch Courthmacsherry, ein kleines Dorf mit vielen Ferien-Cottages. Während Alex dort zum Feuer ging, unterhielt ich mich mit Pferden, eine interessante Abwechslung zu den Rindern der Vortage. Die Strecke nach Glandore, ein sehr schöner kleiner Ort, ging wieder über enge Landstraßen. Von da aus fuhren wir nach Castlehaven. Man fährt eigentlich immer am Meer entlang, sieht es aber nie. Immer sind Hecken oder Mauern am Straßenrand. Man weiß nie ob hinter der Hecke eine Klippe, eine 4 ha große Weide oder eine Stadt ist.
Ab Schull änderte sich die Vegetation. Die Landschaft wurde schroffer, felsiger, nicht mehr so sanft und hügelig. Nachdem wir die Insel Whiddy gefeuert hatten, wollten wir in Glengardiff übernachten. Um 18:00 kam noch mal die Sonne raus. Im herrlichsten Abendwetter fuhren wir mehrere B&Bs an. Wir entschieden uns für eins oberhalb der Straße und fuhren direkt in den Ort zum Essen. In Glengardiff ist das Bantry-House, ein altes berühmtes Herrenhaus was man besichtigen kann.
Wir bekamen unser 1. Bar-Meal. In netter Pub-Atmosphäre genossen wir Lasagne, Chips und Bier. Glengardiff hat übrigens das mildeste Klima an der Küste. Selbst im tiefsten Winter gehen die Temperaturen selten unter den Gefrierpunkt.
21.05.04 Freitag
Um 9:00 fuhren wir auf die Halbinsel Bera. Große runde abgeschliffene Felsen bestimmten hier die Landschaft. Auch in den Buchten lagen diese Felsen. Es erinnerte an die schwedische Schärenlandschaft. Die Gegend wird dünnbesiedelter. Vorher sah man ja eigentlich spätestens alle 500 m ein Haus (wo Straße - da Haus, wo kein Haus - da auch kein Weg), aber hier fiel es richtig auf, dass man durch das "Nichts" fuhr. Einzige Stadt auf der Halbinsel ist Castletown mit 1000 Einwohnern.
Die Sonne schien, aber es war kalt durch den Wind.
Auf der nächsten Halbinsel Iveragh im Miniort Bunaw merkte ich, dass ich zwar mittlerweile gut links fahren konnte, aber nicht rückwärts! Beim Zurücksetzen auf einer Mole habe ich an einem Gestänge die Zierleiste, ein Teil der Verkleidung und den rechten Außenspiegel abgefahren. Spiegel und Verkleidung konnte Alex vor Ort reparieren, die Zierleiste wanderte in den Kofferraum. Auf diesen Schreck haben wir am Hafen ein Picknick gemacht.
Wir fuhren auf den berühmten Ring of Kerry. Die Straßen sind wie immer schmal und wenn man 2 Reisebusse vor sich hat und nirgends überholen kann, ist der Ring ganz schön öde! Ab Darryname fuhr Alex die 25 km bis zur Insel Valentia, damit ich auch mal die Gegend genießen konnte. Valentia ist eine niedliche, gemütliche Insel, die auf der Westseite durch eine Brücke mit dem Festland verbunden ist und - für Reisebusse gesperrt ist! Ein Segen nach dem Ring of Kerry.
Im Osten wollten wir mit der Fähre wieder zurück. Als wir am Pier ankamen, war die Fähre gerade weg, aber - sie setze extra für uns noch mal zurück. Die Fähre hieß "God with us III" Wo waren "Gott mit uns" I und II geblieben? Im Himmel oder auf dem Meeresgrund?
Die nächsten Flussfeuer am Valentia-Sund waren recht einfach zu kriegen. Kein Vergleich zu den Feuern am River Barrow. Ich fuhr in eine Sackgasse direkt bis ans Meer, blieb dort stehen und wartet auf den wandernden Alex. Ein älteres Ehepaar kam auf ihrem Spazierweg vorbei. Wir grüßten uns und der Mann fragte mich was auf englisch. Ich verstand immer "torn", Torn the car. Ich überlegte, warum dieser nette Mann mein Auto zerreißen wollte, bis ich darauf kam, dass er "turn" meinte. Er wollte nur so nett sein und für mich wenden. Ich stand ja auch so blöd da, als wenn ich nicht mehr wegkäme.
Nächstes Ziel war die Stadt Dingle, 25 km Luftlinie entfernt. Da aber eine große Bucht dazwischen lag, wurden daraus 35 Meilen und 1 1/2 Stunden Fahrt. Auf dieser Strecke habe ich ein neues Lieblingsschild ausgemacht. Es bedeutet "Achtung verengte kurvige Strecke". Diese Schilder stehen auf engen kurvigen Strecken, aber es geht tatsächlich noch enger und kurviger! Nach dem 1. Feuer von Dingle suchten wir uns im Ort ein B&B.
Sensation des Zimmers war das tiefe Fenster mit breiter Fensterbank. Es lud ein, dort zu sitzen, Tee zu trinken und die Aussicht über die Bucht zu genießen. Gegessen haben wir in der Pizzeria Oven Doors, die von Michael Müller empfohlen wurde. Nach einem Bummel durch den Ort gingen wir ins Marina Inn. Dort sollte es ab 21:30 irische traditionelle Musik geben. Bis es soweit war fiel erst einmal ein betrunkener Ire über die Koffer der Musiker. Ein anderer junger Gast neben uns sollte eigentlich nur Essen für seine Freundin im Pub holen. Das Essen stand da und wurde kalt, während er ein Bier nach dem anderen trank. Als seine Perle dann überīs Handy anrief, sagte er nur noch "yo......yo.... yes", legte auf, zahlte und war schnell weg. Ich hoffe mal zu Fuß, denn fahren konnte er sicher nicht mehr.
Um 22:00 fingen die Musiker an zu spielen, aber nicht Traditional, sondern Folk. Das war der Startschuss für uns zu gehen.
22.05.04 Samstag
Morgens, wenn alle ihren Rausch ausschlafen, ist das Feuern in Dingle sehr angenehm. Wir fuhren über den Conair-Pass auf die Nordseite der Halbinsel Dingle. Eine mörderische Strecke, sehr eng mit viel Gegenverkehr, aber mit sehr schöner Aussicht. Außerdem wurden wir auf der Nordseite in der Brandon Bucht belohnt. Eine riesige Bucht, mit tollem Strand, alles menschenleer und das bei traumhaften Wetter.
Weiter ging es über Tralee nach Fenit. Dort hatten wir ein weit ins Meer gebautes Pier mit 4 Feuern abzuarbeiten. Zurück nach Tralee und durchs Landesinnere fuhren wir auf die Südseite des Shannon nach Tarbet, eine Strecke von 50 km. Nun fingen wieder die Flussfeuer an. Erstaunlicherweise waren die aber recht gut zu kriegen, denn Alex ist unten am Wasser im Kies entlang gelaufen und ich habe ich mich oben an der Straße in einer Einfahrt gelangweilt. Es brauchte einige Handygespräche bis wir uns wiedergefunden haben. Der Tag war erfolgreich: 46 Feuer.
In Coonagh, einem kleinen Ort bei Limerick fanden wir um 19:00 ein Quartier. Weil die Sonne noch hoch am Himmel stand, feuerten wir noch knapp eine Stunde weiter. Abends suchten wir in Limerick ein griechisches Lokal, aber weil wir es nicht fanden, nahmen wir ein Burger-Menü im Supermac ein. Mit einer Flasche Wein und TV ließen wir den Abend ausklingen.
23.05.04 Sonntag
Schon das erste Feuer begann für mich mit Pause. Ich stand in einer Hofeinfahrt und wartete bis Alex mit der Wanderfeuerei fertig war. Der Kuckuck rief, die Jungbullen flirteten mit mir und die Sonne schien. Nach über einer Stunde kam Alex mit 4 Feuern zurück. Das nächste Feuer war auf dem Tower vom Shannon Airport. Auf dem Weg dahin sahen wir das große M. Also haben wir ein Frühstück bei McDonalds eingelegt.
Die letzten Flussfeuer des Shannon, inklusive das am größten Kohlekraftwerk Irlands in Kilrush wurden abgearbeitet. Endlich lag wieder die offene See vor uns. Wir fuhren auf die Halbinsel Loop Head. Am Leuchtturm waren tolle Klippen, an der Südseite schräge Felsformationen, die ins Meer abfielen. Eine traumhafte Landschaft. Es lag wieder eine lange Fahrstrecke Richtung Galway vor uns. Wir kamen an den Klippen von Moher vorbei und machten eine Pause. Die hat sich wirklich gelohnt. Wir machten einen Spaziergang in der Sonne, genossen die fabelhafte Aussicht und die mystische Atmosphäre dort. Verstärkt wurde diese noch durch die Musiker, die alle 100 m dort saßen und Harfe, Gitarre oder Flöte spielten. Ein tolles Erlebnis, dort gewesen zu sein.
Wieder auf der Piste, ging unser Weg durch die Burren, einem riesigen Karstgebiet, was an Mondlandschaft erinnert. So etwas "ungrünes" erwartet man in Irland gar nicht. Dieses trostlose Gebiet entstand durch Erosion, nachdem alle Bäume gefällt wurden und der Boden keinen Halt mehr hatte.
In einem Vorort von Galway fanden wir ein B&B. Die Besitzerin erklärte uns den Weg zu einem kostenlosen Parkplatz in der Stadt. Die Pubs waren übervoll, überall Menschenmassen auf den Straßen und Plätzen. Die Restaurants waren sehr teuer, McDoof hatten wir schon zum Frühstück und in die Pubs kam man zum Barmeal gar nicht rein. Als gingen wir zu einem Take away und endlich bekam ich Fish & Chips. Alex genehmigte sich eine Pizza. Anschließend tranken wir noch ein Bier in einer Musikkneipe. Im Quartier angekommen, nahm ich ein Vollbad um meinem verspannten Nacken was Gutes zu tun.
24.05.04 Montag
Der Morgen begann mit Stau. Trotzdem kamen wir beim Feuern in Galway gut voran. Die Sonne kam raus und bei bestem Wetter fuhren wir auf der Coastroad gen Westen. Hier im Westen von Galway ist wieder gälische Hochburg. Die Schilder sind, wie auch schon in Dingle, nur auf gälisch beschriftet. Zum Glück sind in unserer Landkarte immer beide Namen eingezeichnet.
Wir fuhren weiter auf zwei Inseln westlich von Galway, die durch Brücken mit dem Festland verbunden sind. Die Gegend ist sehr karg, große, abgerundete Felsen beherrschen die Landschaft und Steinmauern sollen das bisschen Land vor der Erosion schützen. Alles wirkt ein wenig trostlos. Da war es eine willkommene Abwechslung als eine Herde Rinder auf der Straße spazieren ging. Nachdem wir die Galway-Bucht mit den vielen Nebenbuchten abgefeuert hatten, ging es weiter Richtung Norden nach Connemara. Dort ist das Gebirge Twelve Twins. Normalerweise nahmen wir ja immer die Küstenstraße, aber für die Strecke von Roundstone nach Cliffden entschieden wir uns für die Straße im Landesinneren. Hier gab es viele Loughs und noch mehr Schafe. Die lagen alle gemütlich auf dem Asphalt rum. Soviel zum Verkehrsaufkommen in dieser einsamen Gegend. Hier stand kilometerweise kein Haus.
Nächstes Ziel war Cleggan, der Hafen von dem die Fähren nach Inishbofin abfahren. Danach kam wieder eine längere Fahrstrecke nach Roonagh. Der Weg ging über den Doo Lough Pass. Eine traumhafte Gegend mit hohen Bergen und dem schönen See. Das war nicht Leuchtfeuern sondern Sightseeing-Tour.
Wir kamen an die Bucht von Westport. Kurz vor der Stadt fanden wir ein B&B direkt an einer abgelegenen Bucht. Weil es noch so früh war, feuerten wir mit dem sicheren Gefühl ein Dach über den Kopf zu haben noch ein wenig weiter. Im nächsten Pub nahmen wir Barmeal am Kaminofen ein. Es war richtig gemütlich dort und das Bier schmeckte auch.
25.05.04 Donnerstag
Der Tag begann schon mit Sonne um 6:00. Unser wunderbares B&B lag direkt am Wasser. Für Leute, die gerne abgeschieden Urlaub machen wollen, hier die Wegbeschreibung: von Louisbourgh kommend vor Waterford-Quay die 2. Straße links abbiegen. 2 B&Bs sind am Straßenrand groß ausgeschildert. Wir sind aber die Straße bis zum Ende durchgefahren. Dort liegt rechts das B&B mit dem tollen Frühstück (50 EUR für 2 Personen). Man konnte zwischen 8 warmen Frühstücksgerichten auswählen, dazu gab es in Buffetform Müsli, Obstsalat, Joghurt, Trockenobst und frisch gepresste Säfte. Sogar der Kaffee war richtig lecker.
So gestärkt fuhren wir nach Achill Island, eine baumlose Insel mit hohen Bergen und viel Moor. Hier wird noch viel Torf per Hand abgebaut. Schafe laufen überall auf den Straßen herum. Es gibt keine Steinmauern am Rand, die sie aufhalten.
Es ist ungewohnt durch kurzes Grasland zu fahren und immer den freien Blick aufs Meer zu haben. Außerdem ist es sehr ruhig hier. Nur die Vögel zwitschern und die Lämmer blöken in der Ferne. Heiß war es geworden. Man hätte Lust in das klare Wasser zu springen, aber das ist doch noch zu kalt.
Als wir von der Insel wollten, hatten wir eine Zwangspause. Die Brücke wurde repariert. Der Verkehr staute sich. Wir parkten, machten einen Supermarktbesuch und gingen in ein Cafe um den Brückenbauarbeiten vom Fenster aus zuzusehen. Nach einer halben Stunde war der Spuk vorbei und wir konnten weiter zur 50 km entfernten Mullet-Halbinsel. Alex fuhr, damit ich die Moorlandschaft genießen konnte, in der wieder Torf abgebaut wurde. Diese Halbinsel ist wirklich sehr schön. Karges und Grünes wechseln sich ab, es gibt traumhafte Buchten mit Wasser wie in der Südsee.
Das nächste Feuer war in Rossport, einem kleinen Ort im Norden des District Mayo. Von da aus hatten wir 50 km Fahrt nach Killala (der Städtename hört sich versoffen an) vor uns. In der Killala-Bucht musste Alex um eine große Sanddüne herum laufen um an das Feuer zu kommen. Ich unterhielt mich mit einer Frau, die windgeschützt in ihrem Auto saß und fror, während ihre Kinder im Meer badeten. Ich sage ja, die haben Frostschutz in den Adern.
In einem Vorort von Sligo, in Strandhill fanden wir ein nettes B&B. Es hieß "Shalom" und wurde von einer netten älteren Dame geführt. Die machte uns auch direkt darauf aufmerksam, dass das Pub mit Barmeal schon um 20:45 schloss. Wir rasten dort hin, bekamen auch noch Essen und Bier und sahen sogar noch einen wunderschönen Sonnenuntergang.
Unser Zimmer war mit schönen dunklen Möbeln eingerichtet, lag nach hinten raus und bot einen Ausblick auf den Golfplatz und auf einen feng shui-angehauchten, asiatischen Garten. Als ich zum Rauchen vor die Haustür wollte, holte mich die nette Dame zu sich ins Wohnzimmer. Sie rauchte nämlich auch. Wir haben uns nett unterhalten (endlich eine Irin, deren Aussprache ich verstehen konnte) und ich bekam eine Antwort auf eine Frage, die uns schon lange beschäftigte. Sehr viele Orte in Irland haben das Wort Bally im Namen. Wir haben seit Tagen überlegt was Bally heißt. Nun habe ich es erfahren! Es heißt gar nichts!! Einfach eine Laune der Iren.
26.05.04 Mittwoch
Schon vor 9:00 waren wir am Flughafen von Sligo um den Tower zu feuern. Vom Sligo-Hafen aus fuhren wir stadtauswärts Richtung Norden, genau gegen den Stau, der sich stadteinwärts gebildet hatte. Die ganze Zeit hatten wir den Ausblick auf den "Tittenberg", ein großer runder Hügel, auf dem ein kleiner Hügel wie ein Nippel drauf ist.
Das Feuern war in der Sligo-Bucht wieder blöd. Zwar war fast alle 100 m ein Feuer, aber die Bucht ist stark bebaut, so dass man nirgends gescheit ans Wasser kommt. Mullagh More ist ein kleines verträumtes Städtchen. Hier steht auch das Castle, wo Lord Mountbattan erschossen wurde. In Donegal, unserem nächsten Ziel, war es mir zu hektisch. Zu viel Verkehr, besonders um den Platz Diamond. Da war es in Killybeg, trotz des großen Fischereihafens viel gemütlicher. Westlich davon, in einer kleinen Bucht, liegt Teelin, bestehend aus ein paar Häusern, einem Pier mit kleiner Fabrik und einem sagenhaften Ausblick auf die Klippen.
Durch die Berge überquerten wir die Halbinsel Richtung Ardara und landeten in der Dawros Bay. Hier gab es viele Ferienhäuser die auf felsigen Hügeln lagen. Traumhafte Sandstrände gab es auch. Das Feuer am Dawros Head kostete Alex wieder 40 Minuten Wanderschaft. In der Bucht von Dungloe waren die letzten Feuer des Tages. Wir fanden ein B&B direkt in der Mitte der Bucht. Unser Zimmer lag zwar nach hinten raus, aber wir durften den zur Bucht hin angebauten Wintergarten mitbenutzen. Nach dem Essen beim Chinesen haben wir es uns im Wintergarten in den Korbsesseln gemütlich gemacht. Bei einem Glas Wein haben wir die einlaufende Flut beobachtet und den Sonnenuntergang bestaunt. Das alles mit dem hauseigenen Cocker-Spaniel, der uns als Familie betrachtete und nicht mehr weg ging.
27.05.04 Donnerstag
Um 9:00 hatten wir bereits 2 Feuer! Wir fuhren durch eine Schärenlandschaft mit großen Felsen, grünem Gras und vorgelagerten Inselchen. Wir umrundeten die Halbinsel "The Rosses". Cruit Island, eine Insel die durch eine Brücke mit "The Rosses" verbunden ist, hat nur eine Straße und die ist gerade mal autobreit. Hier gibt es eine phantastische Küstenlandschaft, ähnlich wie "Causeway". Natürlich darf auch hier, wie im Rest von Irland, ein Golfplatz nicht fehlen.
Weiter gings nach Bunbeg. Hier war lt. Guinessbuch der Rekorde der kleinste Naturhafen der britischen Inseln. Doch mit dem Bau eines neuen Piers, verloren sie den Eintrag. Am Hafen steht das B&B Bunbeg House. Hier hat der Buchautor und Irlandtramper "The Freezeman Tony" übernachtet. Morgens hat er nackt die Gardinen zurückgezogen. Ein Fischer, der vor dem Fenster sein Boot strich, soll angewidert weggesehen haben.
Weil dieser Hafen so schön ist, sind viele Maler hier. Aber nicht nur der Hafen ist schön, sondern die ganze Bunbeg Bay. Das Meer hat Südsee-Flair. Nur die 1000 Fliegen störten.
Die Landspitze von Gweedore, Bloody Foreland genannt wegen der tollen Sonnenuntergänge, ist eigentlich eine wilde Müllkippe. Hier verbrennt man Autos, die man nicht mehr braucht. Außerdem leben hier tausende von Schafen. Aber man hat mitten im Müll einen tollen Ausblick auf die Brandung.
Der nächste Leuchtturm Fanad hatte einen Hubschrauberlandeplatz. Dort stand auch die Feuerwehr herum. Dabei brannte es in den Bergen von Spernin Mountains in Nordirland. Aber dafür waren die Jungs anscheinend nicht zuständig. Der Qualm des Feuers lag tief über der Bucht.
Nachdem wir die nächste Bucht Lough Swilly gefeuert hatten, suchten wir in Buncrana ein B&B. Es war das 1. Mal dass wir so lange gesucht haben. Dafür fanden wir schnell eine Pizzeria. Garlic-Bread war dort eine Pizza mit Käse und Knoblauch. Lecker! Wir kauften noch im Supermarkt ein und machten uns einen gemütlichen Abend im B&B Arthur. Es war ein bisschen schmuddelig dort (ein älterer Herr führte das Haus) aber das Zimmer hatte schöne alte Möbel.
28.05.04 Freitag
In der Nacht hatte es geregnet und am Morgen war Sturm. Wir hatten heute Inishowen zu feuern, eine traumhafte Gegend. Alles grün mit den typischen Hecken. Das Meer war durch den Sturm sehr aufgewühlt. Um 10:00 hatten wir einen kurzen Regenschauer, aber durch den Wind war der wieder schnell weggeweht. Das war mal was neues: Irland ohne Sonne!
Die Westseite des Lough Foyle ist noch republikanisch. Auf der anderen Seite ist Nordirland. Alex feuerte die Einfahrt im Lough Foyle. Alle 500 m ein Feuer und alle gut zu kriegen. In dieser Gegend ist so wenig los, dass ein Bauer extra mit seinem Trecker anhielt um Alex beim Fotografieren zuzusehen. Mittags kam wieder die Sonne raus. Wir knipsten das letzte Feuer der Republik und waren gespannt wie jetzt die Grenze aussieht. Wir fuhren die schmale Landstraße 500 m weiter und siehe da, ein British Mail-Auto. Wir waren bereits in Nordirland und hatten es nicht bemerkt. Anscheinend war das eine grüne Grenze. Die Bucht Foyle ging jetzt in den Fluss Foyle über. Die Flussfeuer waren wieder schlecht zu kriegen. Alex musste Böschungen herunterkrabbeln und sah aus wie ein Ferkel. Ich parkte derweil wieder auf Bauernhöfen und hoffte, dass mich keiner ansprach. Nachdem wir das Verkehrschaos in Londonderry hinter uns hatten, erreichten wie wieder die Bucht Foyle. An der Mündung, von wo auch die Fähre rüber in die Republik Irland abfährt, blieb Alex ewig weg um ein Feuer hinter einer Düne zu knipsen. Er musste ein "T" in den Sand pinkeln (wir kennzeichnen ja jeden Film mit einem fotografierten Buchstaben und wenn einer nicht da ist.....).
Oben am Kap lag ein großer Gefängniskomplex. Wir haben brav in die Kameras gelächelt. Um 18:00 hatte wir schon 57 Feuer. Das war Urlaubsrekord! Weiter ging es nach Castlerock, ein hübsches Örtchen, das auch kulturell einiges zu bieten hat. Überall stehen die Heritage-Hinweisschilder. 3 B&Bs hatten wir schon gesehen, das lässt hoffen.
In Castlerock habe ich eine Stunde am Golfplatz auf Alex gewartet. Aber das Warten hat sich gelohnt: Er hat noch 11 Feuer des River Bann geschossen. Damit hatten wir 68 Feuer und machten Feierabend. Wir nahmen ein B&B an der Hauptstraße auf einem Bauernhof. Das Zimmer hatte kein Bad (war billiger), aber wir waren die einzigen Gäste und hatten das Gemeinschaftsbad mit riesiger Badewanne für uns alleine. Nach einem Tässchen Kaffee machten wir uns auf, einen Geldautomaten zu suchen. Anschließend kehrten wir in einem Pub ein und aßen Barmeal im Restaurantteil. War zwar teuer, aber dafür gab es große Portionen. Anschließend gingen wir in den Pub-Part um uns noch ein Bier zu genehmigen. Es war nett, mal wieder in einer Bar rauchen zu dürfen. Ein angetrunkener Gast kam zu mir an den Tisch und fragte, ob ich seine Rechnung bezahle. Aber weder ich noch die anderen Gäste ließen sich erweichen.
29.05.04 Samstag
Nach einer ruhigen Nacht starteten wir schon um 8:00 bei strahlendem Sonnenschein. Alex hatte wieder Wandertag am Bann-River und ich wartete diesmal auf der anderen Seite des Golfclubs. Portstewart und Portrush waren typische englische Hafenstädte mir Amüsement, Fastfood und ohne Parkplätze. Aber die Gegend drumrum war schön. Weiter ging es die Küste entlang Richtung Ballycastle. Den Gigant's Causeway ließen wir links liegen. Am Samstag muss man sich den Rummel um 6-eckige Steinformationen nicht antun. Die Parkplatzgebühr war nach Michael Müller 4,50 Pfund. Ballycastle war ein beschauliches Örtchen ohne britischen Unterhaltungsmüll. Weiter ging es bei strahlendem Sonnenschein die Nord- und Ostküste entlang. Wir kamen durch Larne, keine nette Stadt. Dafür ist die vorgelagerte Halbinsel Margel ganz nett.
Langsam näherten wir uns den Feuern von Belfast. An einer Kiesbaggerei waren überall Keep out-Schilder. Mitten in diesem Fabrikgelände war ein alter verwitterter Friedhof. Die Steine waren so alt, dass die Schrift nicht mehr zu erkennen war. Alles war zugewuchert und die Mauern einer alten Kirche standen noch zum Teil. Krähen flogen herum. Gut, dass die Sonne schien, sonst wäre es sehr gruselig gewesen. Wir hatten noch ein Feuer im Landesinneren, im Lough Neagh, 30 km von der Küste entfernt. Was das soll, weiß keiner. Vorher feuerten wir noch Carrickfergus. Dort steht am Hafen eine alte Burganlage. Da der Ort sehr nett schien, wollten wir nach unserem Ausflug ins Landesinnere hierher zurückkommen um zu übernachten. Oberhalb des Ortes fanden wir ein Farmhouse mit B&B. Die hatten eine Menge Tiere dort. Von Schafen und Rindern über Pferde, Widder, Ziegen und Esel bis hin zu Gänsen, Puten, Hund', Katz' und Maus. Von unserem Zimmer aus konnten wir die Bucht von Belfast sehen. Abends fuhren wir in die Stadt und aßen bei Wetherspoon. Es war lecker, reichhaltig und preiswert. Guter Tipp von unseren Herbergs-Leuten. Als wir nachts schon im Bett lagen, schreckten wir von Knallern auf. Unten an der Burg gab es ein Feuerwerk und wir hatten hier oben Logenplatz.
Der Werbeslogan stimmte: I wish, I was in Carrickfergus"
30.05.04 Sonntag
Heute lag der Belfaster Hafen vor uns. Zum Glück war Sonntag und nicht viel los. Keiner störte sich an uns. 51 Feuer in 4 1/2 Stunden. Spitzenleistung! Wir haben im Hafen auch die Werft entdeckt, in der die Titanic gebaut wurde.
Weiter ging es nach Bangor, einer tollen Stadt mit alten Häusern aus der Belle Epoche.
Hatte ich eigentlich schon die Europa-Wahl erwähnt. Auf der ganzen Insel hingen die Wahlplakate der verschiedenen Bewerber rum. Manche erkannten wir schon von weitem und hätten eher die wählen können als die Kandidaten in Deutschland.
Die Halbinsel Ard ist fingerförmig und trennt das Strangford Lough vom Meer. Dort folgte ein schönes Dorf dem anderen. Es gab gut ausgebaute Straßen, da war die Fahrerei sehr angenehm. An der Spitze der Halbinsel sahen wir ein Straßenschild mit dem Tenor: "Vorsicht, alte Leute!" In Newtownards mussten wir zum Scarbo Tower hoch, ein geschichtsträchtiger alter Turm. An der schmalsten Stelle zwischen Fjord und Meer herrscht eine starke Strömung. 400.000 Tonnen Wasser werden hier 4x täglich durchgedrückt.
An der Irischen See fuhren wir weiter südlich nach Ardglass. Dort wollten wir ein B&B suchen, doch die Suche gestaltete sich schwierig. Aber wir fanden dann außerhalb in einem Bungalow doch noch was. Preis 40 Pfund. Damit blieben uns fürs Essen nur noch 13 Pfund über. Nochmals tauschen lohnte nicht, weil wir ja am nächsten Tag wieder in der Republik Irland waren. Bei einem Take away-Chinesen kauften wir uns was für 9,80 und aßen an einem Picknick-Platz am Hafen in der Abendsonne. Unsere Barschaft reichte noch für ein Pint in der Lighthouse Bar.
In der Nacht um 5:00 schellte im Haus das Telefon. Beim opulenten Frühstück erfuhren wir, dass die Besitzerin in dieser Nacht zum 1. Mal Oma geworden war.
31.05.04 Montag
Bank Holiday in Britain! Dadurch waren die Straßen morgens noch schön leer. Wir feuerten uns in den Carlingford-Fjord. Dort sollte nun endlich wieder Irland anfangen. Das brauchten wir ja auch weil unsere Pfunde extrem geschwunden waren. Diesmal stand auch wirklich mitten auf einer Landstraße die irische Gardia und kontrollierte uns. Nächstes Ziel war die Stadt Carlingford am Fuße der Mourne Mountains. Die Wolken hingen tief in den Bergen, sah richtig toll aus.
In der Marina von Carlingford gab es eine Besonderheit: Ein altes Schiff lag dort und hatte eine "Steg-Funktion". Um zu den einzelnen Molen mit den Sportbooten zu kommen, musste man erst über das alte Schiff.
Wir fuhren die Küste weiter runter zur Dundalk Bay. Dort befeuern "Gestänge" die Einfahrt. Leider war die Fernsicht nicht sehr gut. Ab und an kam zwar die Sonne raus, aber es zog sich immer weiter zu. Zum Glück regnete es nicht.
Zu früh gefreut: Um 16:30, wir wollten gerade den River Boyne (der Fluss führt zur Stadt Drogheda) feuern, fing es an zu regnen. Während wir am Fluss standen und warteten dass der Nieselregen aufhörte, stellten wir fest, dass die verbleibenden 41 Feuer sich im Umkreis von nur wenigen qkm befanden. Hilfe! Übermorgen ist erst unser Rückflug und wir haben nur noch so wenig Feuer!!!! Was sollen wir denn ohne Leuchtfeuer in Irland machen? Was macht man denn im Urlaub ohne durch die Gegend zu fahren und Gestänge zu fotografieren? Am Besten warten dass der Regen aufhört. Das wurde Alex aber zu langweilig. Er nahm seine neuen Regenklamotten und wanderte los. Nach 2 Stunden und 21 weiteren Feuern war er wieder da. Ich saß derweil gemütlich im Auto und las mein Buch.
Um 19:00 fuhren wir ein Stück die Küste zurück um ein B&B zu suchen. In Clogherhead wurden wir fündig. Das Zimmer war unterm Dach, hatte TV und Ausblick über die irische Bucht. Doch bevor wir das Zimmer genießen konnten, ging es erst mal zum Essen. In der Harbour Bar, wohl der einzigen, die 2 km vom Hafen entfernt ist, aßen wir schlechtes Barmeal, aber kriegten gutes Bier. Es nieselte immer noch leicht als wir heim fuhren.
01.06.04 Dienstag
Am Morgen weckte uns die Sonne. Das Frühstück war üppig, die B&B-Mutter redselig und wir darauf erpicht, die letzten 20 Feuer zu schießen.
Um 10:30 standen wir wieder am Fluss, doch da war nur noch Wasser! Wo gestern noch Fußwege zum Feuern waren, war nun die Flut. Aber wo ein Wille ist.....! Nach dem abgefeuerten River Boyle fuhren wir nach Skerries. Hier war unser letztes Feuer. Um 12:40 war unsere Arbeit erledigt. Die 708 Feuer Irlands waren geschafft. Direkt am Hafen gab es ein kleines B&B mit phantastischem Ausblick auf den Hafen und die Bucht. Das Bad war so groß dass ein Korbsessel darin Platz hatte und mit großem Fenster Richtung Hafen. Die Sonne schien so herrlich hinein. Wir tranken einen Kaffee auf der Bank vor dem Haus bei strahlendem Sonnenschein und überlegten was wir denn nun so tun. Wir gingen spazieren und erkundeten den kleinen Ort. Mit Sandwich und Kaffee machten wir auf einer Bank am Strand eine Rast. Wir sahen zu wie das Wasser sich zurück zog, guckten in die Wolken und genossen unsere freie Zeit. Nachdem das Wasser die kleinen Inselchen in der Bucht freigelegt hatte, machten wir eine Wattwanderung. Dieser Tag war der krönende Abschluss unserer Irlandreise.
Aber - wir hatten noch Arbeit vor uns. Das Auto musste noch ausgeräumt werden, die Koffer gepackt und alle Klamotten verstaut werden. Am Abend gingen wir in eine Pizzeria und kehrten ein letztes Mal in einen Pub ein.
02.06.04 Mittwoch
Unser 4. Hochzeitstag war auch der Rückreisetag. Ganz gemütlich fuhren wir nach Dublin, gaben ohne Probleme das angedötschte Mietauto zurück und machten uns auf den Heimweg.
Wie sagte Alex so schön: Irland, das ist Urlaub für die Augen!