Freitag, 22.04.05
37 Leuchtfeuer, 418 km
Gut, wenn man ein Kind mit Fahrerlaubnis hat! Catherine brachte uns Freitag
Morgen um 6:00 zum Flughafen. Um 7:00 sollte unser Alitalia-Flieger nach
Mailand starten. Um 7:20 waren wir in der Luft. Wir überquerten die
schneebedeckten Alpen. Ein grandioser Anblick von oben. Bereits um 8:30
landeten wir in Milano. Da die meisten anderen Passagiere im Transit
waren, kamen nur 5 Koffer vom Band, 3 davon für uns! Auch beim Mietwagen
gab es keine Probleme. Wir verstauten unser bis dahin noch nicht geklautes
Gepäck im Fiat Stilo. Der Wagen war ganz nett, hatte aber eine extrem
schnell kommende Kupplung. Zum 1. Mal im Ausland aktivierten wir unser
mobiles Navigationsgerät. Uschi/Gisela (das Teil hatte mehrere
Frauennamen) kam gut auf italienischen Straßen zurecht. Wir verließen
Mailand südwärts um an die Küste zu fahren. Kaum hatten wir Maut bezahlt
kam auch schon Stau. Dafür zahlt man also in Italien.
Die Gegend außerhalb von Milano ist sehr schön, alles ist grün, weit und
breit Felder und Wiesen. Ab und an ein hübscher Bauernhof. Wir überquerten
den Po. Ich war überrascht wie wenig Wasser er führte. Um 10:00 machten
wir eine Frühstückspause an einer Autobahnraststätte, um Sandwich zu
kaufen. Als wir zum Auto zurückkamen war ich erstaunt, denn Auto und
Gepäck waren noch da.
Die Sonne schien, es waren zwar nur 13-14°, aber Hauptsache kein Regen. Die
große Ebene ging in bergiges Gelände über. Ein Tunnel folgte dem nächsten.
An der Küste angekommen nahmen wir die Küstenautobahn Richtung
Frankreich/Monaco. Diese Autobahn ist ein architektonisches Meisterwerk.
Sie besteht eigentlich nur aus Brücken und Tunnel, führt gerade durch die
bergige Küstenregion. Dafür zahlten wir auch Maut von 22 EUR. Nach 330 km
hatten wir unser 1. Leuchtfeuer in Bordighera um 12:50 erreicht. Der Ort
war nett, mit typischen Riviera-Baustil, hatte viele Palmen, die Sonne
schien, es war herrlich.
Wir stellten fest, dass das Feuern mit der neuen "Uschi" sehr vereinfacht
wird. Man gibt die Koordinaten des Leuchtfeuers ein und Uschi bringt einen
zur nächstliegenen Straße. Ist doch einfacher als mit GPS, Straßen- und
Seekarten auf dem Schoß. DIe Küstenstraße ist gut ausgebaut, aber im
Hochsommer hätte ich wenig Lust hier rumzufahren. Alles ist zugebaut.
Nicht mit häßlichen Hochhäusern, nein, eigentlich alles nett, aber eben
dicht an dicht gebaut. Es gibt keine freien Flächen zwischen den Orten,
alles geht ineinander über. Man hat noch nicht mal ein einsames Gebüsch
zum Pinkeln.
Das 2. Feuer war in San Remo. Hier ist die Blumen-Riviera. Sogar der
Blumenschmuck des Neujahrskonzert kommt von hier. Allerdings verschandeln
die Gewächshäuser ein wenig die Landschaft. Über Arma und Degli Aregai
fuhren wir nach Imperia. Auch ein schöner Ort, jedenfalls von der Mole
aus. Weil direkt hinter den Orten die Berge anfangen, ist es schön
anzusehen wenn die Wolken versuchen die Berge zu erklimmen. Die Spitzen
sind in Nebel getaucht. Man selbst steht am Meer in der Sonne und in den
Bergen ist es duster.
In Laigueglia wollten wir uns eigentlich ein Zimmer suchen, aber der Ort
war so verstopft, dass wir es im nächsten Ort (Alassio) probierten. Wir
fragten in einem Strandhotel, aber die wollten 80 EUR die Nacht. Wir fuhren
in den Stadtteil, der am Hang lag, aber dort führten die Hinweisschilder
entweder ins Nirvana oder die "Residenzen" hatten noch zu. Die Straßen dort
oben waren mörderisch eng. Man hoffte immer, dass keiner entgegen kam. Im
nächsten Ort, Albenga wurden wir endlich fündig. Wir übernachteten im
1-Sterne-Hotel "Italia" für 48 EUR. Das Zimmer war nicht schön, hatte aber
einen Balkon und war sauber. Nach einem Kaffee auf dem Balkon fuhren wir
zu einem Chinesen, den wir auf der Strecke gesehen hatten. Das Essen war
lecker und der Wein schmeckte ausgezeichnet. Anschließend fuhren wir ans
Meer und bewunderten den Mond, der hoch über dem Meer stand.
Zurück im Hotel gaben wir die Leuchtfeuer (37 Stück = erfülltes Tagessoll)
in den PC ein und schliefen erschöpft ein.
Samstag, 23.04.05
53 Feuer, 191 km
Die Nacht war laut, aber wer müde ist...
Nach unserem Nescafe-Frühstück holte Alex das Auto, was 2 Straßen weiter
geparkt war. Es war tatsächlich nicht geklaut. Auch mein vergessenes Handy
war noch im Wagen. Alex wollte das Zimmer bezahlen als wir gesagt bekamen,
dass die Übernachtung inklusive Frühstück war. Also wieder rein und uns
den Bauch vollgeschlagen. Um 8:50 standen wir schon am 1. Feuer des Tages,
das auf einer vorgelagerten Insel war. Ab Loano wurden die Italiener fies!
Am Vortag gingen noch alle bemannten Schranken an Jachthäfen für uns auf,
doch hier waren unbemannte Schranken mit Code-Card. Das hieß für
mich - leidiges Parkplatz suchen. Erschwerend kam hinzu, dass Samstag war
und alle Italiener auch bei bewölktem Himmel einen Prommenadenbummel
machen wollten, egal in welchem Ort. Doch mit dem Bummel war es um 11:00
vorbei. Es fing an zu regnen! Dadurch wurde das Problem auf die Straße
verlagert. Dort bummelten die Italiener jetzt! Ein paar Feuer in Vado
musste Alex im Nieselregen feuern, doch um 12:00 hörte der Regen wieder
auf. Vado ist eher eine industriell geprägte Stadt mit Ölpiers und
Esso-Anlegern. Dafür sind die Berge nicht direkt am Ort. Man fühlt sich
nicht so eingequetscht.
Varazze und Arenzano waren die letzten touristischen Orte vor Genua. Nun
kam der große Hafen mit viel Verkehr. Der Himmel zog sich zu und ab und an
kam ein Schauer. Zwar hatten wir hier unser Tagessoll erreicht, aber in
Genua wollten wir ja nicht übernachten. Wir fanden zwar ein Hotel, aber
keinen Parkplatz. Deshalb beschlossen wir, Genua in Richtung Portofino zu
verlassen und dort ein Zimmer zu suchen. Wir fanden mengenweise Hotels,
aber alle waren ausgebucht. Es dauerte eine Weile bis wir den Grund
erkannten: Am Montag war Nationalfeiertag und die Italiener wollten ihr
langes Wochenende an der Küste verbringen. 3 1/2 Stunden suchten wir
vergebens. Dabei war mit Uschi die Suche jetzt so einfach. Man gibt bei
der Suche "Hotel, 3 km Umkreis" ein und Uschi gibt eine Auswahl und führt
einen hin. Das ganze nutzt nur nicht viel wenn die Hotels voll sind. In
Rapallo bekamen wir abends um halb zehn endlich doch ein Zimmer. 3-Sterne
Hotel "Italia", (www.italiaelido.com) Zimmer zur vielbefahrenen Straße raus, Kneipe gegenüber
und das für 90 EUR, aber egal, Hauptsache ein Bett! Dafür war der Parkplatz
ca. 10 Minuten Fußweg entfernt. Mal sehen ob das Auto morgen noch da ist!
Der Hunger trieb uns direkt in die nächste Pizzeria, "Moby Dick". Die
Bedienung war zwar sehr lustig, aber ebenso langsam. Das war aber noch das
kleinste Übel des Tages. Die Pizza schmeckte und der Wein war lecker, was
will man mehr.
Sonntag, 24.04.05
25 Feuer; 119 km
Trotz des Lärms haben wir wunderbar geschlafen. Morgens gab es im Hotel
ein gutes Frühstück mit Blick auf die kleine Burg, die vor dem Hotel im
Wasser stand. Alex holte das Auto, was tatsächlich noch da war! Um 9:30
fuhren wir Richtung Genua zurück. Kaum waren wir in Genua beim Verlassen
der Autostrada durch die Mautstelle war Stau. Man mache aus 7 Spuren der
Mautstelle eine Fahrspur. Und das am Sonntag morgen! Ich möchte hier nicht
unter der Woche stehen.
Das 1. Feuer erreichten wir noch problemlos, doch dann kam das Chaos. Wir
befanden uns im Gebiet des alten Hafens. Dieser ist restauriert und als
Amüsiermeile umfunktioniert. Hier befindet sich auch das große
Seewasser-Aquarium. Hier gibt es alles, nur keine Parkplätze! Wir
beschlossen, dem Trubel erst mal zu umgehen, indem wir die Funkmasten
hoch über Genua fotografierten (natürlich weil dort auch Feuer drauf
sind!). Wir drehten und waren wieder im Stau, weil ein Radrennen die
Straße blockierte. Oben am Berg war es herrlich ruhig, aber unser Problem
wurde ja nur aufgeschoben. Wir mussten zurück in den Porto Antico. Genua
ist autotechnisch nicht in guter Erinnerung geblieben. Weil ich schon ein
"Kupplungsbein" hatte, fuhr Alex. Er hatte ja dank Uschi nicht mehr viel
zu navigieren. Dafür schmierte ich im Stau Brötchen und wir picknickten
quasi.
Um 13:15 hatten wir einen mehr oder minder illegalen Parkplatz und Alex
feuerte per Rad während ich mit voller Blase zurückblieb. Als er zurück
kam steuerten wir beim Leuchtturm Vagno ein Cafe an um uns zu stärken und
zu pischen. Da die Bedienung so lahm war, blieb es beim Letzteren. Wir
fuhren nun die Strecke, die wir gestern schon bei der Zimmersuche gefahren
waren. In Nervi gestaltete sich die Feuersuche mit Uschi schwierig. Uschi
wollte immer, dass wir rechts abbiegen, aber es gab keine Straße! Per
Fahrrad fand Alex aber das Feuer. Weiter ging es nach Camogli, ein
autofreier Ort. Vor der Altstadt parkte Alex filmreif ein. Es hätte keine
Zeitung mehr zwischen Vorder- u. Hintermann gepasst. Es gab in Camogli
nicht nur Hafenfeuer sondern auch noch Tonnen, die draußen waren. Da diese
zu weit weg waren, versuchten wir es über den Ort Rocco. Auch hier war
autofreie Zone. Da am Sonntag alle Italiener spazieren gehen wollten, war
die Zufahrtstraße bis zum nächsten Ort zugeparkt. Alex mußte wieder aufs
Rad. Die Gegend hier ist zwar schön, aber durch die Parksituation und die
steilen Berge, war es mit der Erholung nicht so doll.
Wir fuhren weiter die Küste entlang Richtung Portofino. Es fing an zu
Regnen, deshalb suchten wir in San Margherita Ligure spaßeshalber schon
mal um 17:30 nach einem Zimmer. Wir fanden eine Pension für 60 EUR und das
im Einzugsgebiet von Portofino und zum Nationalfeiertag. Die Pension
gehörte zu einem Hotel und befand sich in einem Wohnhaus, 3. Etage,
Etagenbad aber Balkon. Im Nieselregen tranken wir Kaffee auf dem Balkon
und machten trotz 25 Feuern Feierabend. Dafür hatten wir ja am Vortag
genügend gefeuert. Außerdem waren die nächsten Feuer in Portofino. Dort
gibt es keine Parkplätze, nur ein Parkhaus. Erst wenn einer rausfährt
kommt der nächste rein. Dadurch staut sich Verkehr kilometerweit auf der
Küstenstraße. Das wollten wir uns am frühen Abend nicht antun. Um 20:00
bummelten wir im Regen in den Ort. Die Restaurants waren proppevoll. Zum
Glück fanden wir einen kleine Spaghetteria und aßen dort gemütlich zu
Abend.
Montag, 25.04.05
50 Feuer; 153 km
Bereits um 8:10 waren wir in Portofino. Schon so früh standen die
Polizisten und ließen keinen in den eigentlichen Ort. Wir parkten auf
einem Anwohnerparkplatz und Alex stieg aufs Rad. Also ich weiß nicht was
der Kanzler an diesem Ort findet. Es sieht zwar von der Mole aus ganz nett
aus, aber was nutzt mir denn ein Ort, in den ich nicht rein kann.
Weiter ging es nach Rapallo, dem Ort in dem wir vorletzte Nacht teuer
übernachtet hatten. Am Hafen gab es einen großen gebührenfreien Parkplatz.
Das ist echt erwähnenswert in Italien! In Chiavari, dem nächsten Ziel
kauften wir beim Bäcker ein Pizza am Morgen.....kalt scheckt die auch ganz
gut! Chiavari ist ein recht großer Ort ohne Tourismus, dafür aber mit
Einheimischen, die gegen Pöller fahren, kurz gucken und weiterbrettern.
Die Marina war für Fremde gesperrt. Alex aktivierte wieder das Rad und ich
parkte vor mich hin.
Sestri Levante war unser nächstes Ziel, ein netter Ort, der nicht so an den
Berg gequetscht war. Danach hatten wir 50 km Autobahn vor uns. Das Gebiet
der Cinque Terre ist zum Glück nicht befeuert. Das wäre auch schlecht für
uns gewesen, denn mit dem Auto ist die Cinque schlecht zu erreichen. Was
wir in Portofino umgangen sind, erwartete uns nun in Portovenere: Ein
Einbahnstraßensystem zum Ort mit ewig langem Stau. Im Ort war natürlich
kein Parkplatz frei, so fuhren wir per Einbahnstraße wieder aus dem Ort
raus. 600 m hinterm Ortsausgang parkte Alex illegal vor Mülltonnen, radelte
zum Hafen zurück, während ich auf unsere Habe aufpasste.
Das nächste Feuer befand sich auf einem Ölpier. Die Zufahrtstraße war frei
zugänglich. Wir kriegten das Feuer und machten ein Picknick am
Straßenrand, ohne Menschen, ganz in Ruhe.
La Spezia lag vor uns, ein großer Industrie- und Handelshafen. Die Feuer
hier waren eine Wohltat, sogar die im militärischen Sperrgebiet waren zu
kriegen. Man muss halt nur den Berg hochfahren und von oben reinknipsen.
Um 17:00 hatten wir schon 50 Feuer. Ab 18:00 begaben wir uns auf die
Hotelsuche mit Navi Gisela. Das erste war für 43 EUR ohne Balkon und Bad.
Das nächste nahmen wir, denn Alex handelte auf 55 EUR runter. Es hatte
einen Balkon und eigenes Bad. Wir nahmen unseren Kaffee im Nieselregen auf
dem Balkon ein und machten uns anschließend per Navi zu Fuß auf den Weg zu
einem Chinesen. Der existierte leider nicht mehr. Wir fanden eine nette
Pizzeria und bummelten nach dem Essen ohne Regen nach Hause.
Dienstag, 26.04.05
Durch unsere Straße fuhren 7 Buslinien im 2-Minuten-Takt. Zum Glück erst
ab morgens, die Nacht war ruhig. Um 8:30 fuhren wir los und um 9:30 hatte
wir noch kein Feuer. Berufsverkehr! Außerdem waren die Feuer in den
Industriehäfen alle hinter Toren und Absperrungen. Es gab zwar wieder
einen Hügel, von dem man einiges sehen konnte, aber alle Feuer haben wir
nicht gekommen. Genervt gaben wir nach einem Picknick an einer Handelsmole
auf und fuhren nach Lirici. Netter Ort aber wieder ohne Parkplätze. Nach
zwei Ehrenrunden hatten wir einen, Alex feuerte per Rad und ich sonnte
mich auf der Promenade. Ja, die Sonne war wieder da!
Die nächsten 2 Feuer standen im Meer. Wir fuhren von der Küstenstraße
runter und kamen in den netten beschaulichen Ort Montemarcello. Wir
tranken Kaffee in einem netten Lokal, in dessen Garten sehr eigenwillige
Steintische und Stühle standen, die wie Baumstämme geformt waren.
Die Strecke in die Ebene von Carrara ist traumhaft schön. Sie führt durch
Pinienwälder und von oben kann man das fruchtbare Schemmland des Flusses
Magra sehen. Endlich unbebaute Natur. Carrara ist überschwemmt von Marmor.
Überall stehen die großen Blöcke rum. Sogar die Bordsteinen sind aus
Marmor. Oben in den Bergen kann man die weißen Steinbrüche sehen. Diese
sind ca. 10 km entfernt. Endlich Weite! Die Berge sind Ausläufer der
Abruzzen, teilweise noch schneebedeckt.
Wir sahen ein MacDoof-Schild und fanden mit Navi-Hilfe dort hin. Auf dem
Rückweg steuerten wir noch einen Supermarkt an. Dadurch hatten wir viel
Zeit verloren, aber es ist ja Urlaub mit Sonne und 22°. Wen interessieren
da Leuchtfeuer? Alex! Also weiter die tolle Küste entlang.
Die Straße geht schnurgerade parallel zur Küste entlang. Doch man sieht
kein Wasser! An der Straße sind hübsche Hecken mit Einfahrten zu
Parkplätzen, die meist überdacht sind. Dahinter befinden sich Strandhäuser
mit Bars, Restaurants und die niedlichen Umkleidehäuschen. Erst dahinter
sind Strand und Meer. Man kommt also ohne Eintritt gar nicht ans Wasser.
Schon ein Grund hier keinen Badeurlaub zu machen. Aber zum Fahren war die
Strecke sehr angenehm.
In Viareggio wollten wir eigentlich ein Zimmer suchen weil hier lt.
Reiseführer viele 1-Sterne-Pensionen sein sollten. Aber der Ort war
ziemlich voll und wir fuhren weiter Richtung Arnomündung. Auf dem Weg (30
km) gestaltete sich die Zimmersuche als schwierig. Links die Autobahn,
rechts die Bahnlinie, dahinter nur Wald, sonst nichts. Ein Blick in den
Reiseführer klärte alles! Wir befanden uns im Naturschutzgebiet
Migliarino-San Rossore. Hier gibt es nur an bestimmten Wochentagen
geführte Wanderungen. Das ganze Gebiet bis runter zum Meer war
Niemandsland in Punkto Zimmer. Nach etlichen Kilometern wich der Wald
riesigen Feldern. Wir sahen ein Schild "Rooms", aber wir waren schon an
der Einmündung vorbei. Zum Glück kam noch eine beschilderte Einmündung und
500 m von der Hauptstraße entfernt tat sich für uns ein Paradies auf. Hier
gab es einen Bauernhof auf dem Zimmer und ein Appartement vermietete
wurden. Wir schnappten ein paar unentschlossenen Italienern das Appartment
vor der Nase weg und zogen ein. Während wir schon mit Käffchen auf unserer
Terasse saßen, diskutieren die Italiener immer noch, und zogen dann ab.
Um uns war herrliche Natur, ein toller Garten mit Swimmingpool, Parkplatz
vor der Terasse und nur die Vögel zwitscherten. Zum Glück hörten wir ab
und an einen Zug in der Ferne, sonst wäre dieses Paradies für 40 EUR
unheimlich.
Auf der Rückseite des Hauses befand sich der Hof der Familie, mit Ställen
in denen Fasane, Hasen, Gänse, Hühner und Tauben gehalten wurden. Unter
einem Vordach ratterte eine altersschwache Waschmaschine, herrlich
idyllisch.
Navi Gisela wusste, dass in 5 km Entfernung ein chinesisches Lokal war.
Also machten wir uns auf nach Pisa. Da die Gegend schön flach
war, erspähten wir den schiefen Turm von Weitem und fanden es toll, ihn mal
gesehen zu haben. Nun konzentrierten wir uns wieder auf den Weg zum
Chinesen und wo war der? Direkt an der Mauer der "Wunderwiese", dem Park
in dem die Basilika und der schiefe Turm stehen. Wir parkten direkt vor
dem mittelalterlichen Tor und spazierten auf der "Miracoli-Wiese" umher.
Nach dem chinesischen Essen machten wir einen erneuten Rundgang im
Dunkeln. Die Gebäude sind toll angestrahlt und es gingen nur eine handvoll
Einheimische spazieren. So läßt sich Kultur ertragen ;-) Leider hatte wir
keine Kamera dabei um den schiefen Turm zu fotografieren.
Auf dem Heimweg standen wir ewig an einem Bahnübergang. Im Dunkeln sahen
wir unter der Autobahnbrücke eine "Dame" stehen, die nur im Lichtkegel der
vorbeifahrenden Autos zu sehen war. Da viele Herren Lichthupe machten um
die "Dame" anzustrahen, nahmen wir an, dass das "Gewerbe" hier gut läuft.
Zurück auf dem Bauernhof genossen wir den Sternenhimmel. Eine kleine
Ernüchterung erlebten wir dann doch noch: Die Betten waren sowas von
durchgelegen! Also doch kein perfektes Paradies.
Mittwoch, 27.04.05
Der Morgen begann mit Gänsegeschnatter und Hahenschrei. Nach ausgiebigem
Kaffetrinken auf der Terasse verließen wir unser Idyll Richtung Bocca di
Arno, der Arno-Mündung. Nächstes Ziel war Livorno. Die großen
Container-Häfen waren alle zu. Zum Glück gab es einen Fährhafen. Von dort
bekamen wir die meisten Feuer.
Die Küste südlich von Livorno hat uns gut gefallen. Hügelig, aber nicht so
zugebaut wie Ligurien. Die Toscana ist halt viel schöner. Jetzt weiß ich
warum es so viele Leute hier hinzieht.
In Vado gab es ein befeuertes Ölpier, was ganz weit ins Meer ragte. Die
Strände rechts und links hatten die blaue Umweltflagge. Die spinnen, die
Italiener!
San Vincenzo ist ein schöner Ort. Flach gelegen. Strand ohne Badebutzen,
kleiner Hafen mit Promenade. Hier wäre es toll zu übernachten, doch es
war erst 15:00. Hinter San Vincenzo gab es Pinienwälder, durch die die
Straße kilometerlang schnurgerade lief. Porto Baretti, ein niedliches
Örtchen war unser nächster Stopp. Das Feuer lag an einem unbebauten Kap.
Alex packte die Wanderschuhe aus und ich spielte Urlaub in der Toscana auf
dem Badetuch.
Piombino, unser nächstes Ziel, war eine Mischung aus Industrie und
Tourismus inklusive McDoof (I'm loving it). Amerikanisches Brot zur
Teezeit geht ja auch ;-)
Die Bucht südlich von Piombino war industriell geprägt. Wir hatten ein
paar Feuer in Kraftwerknähe, aber die waren erstaunlich gut zu kriegen.
In Follonica sollte es laut Reiseführer viele Hotels geben. Das billigste
was wir fanden kostete 60 EUR. Also suchten wir weiter und wurden in einem
Vorort fündig (Tel. 01197090531). 40 EUR mit TV und Bad, über einem Restaurante (La Buriana, Via Cassarello, 86, Follonica). Diese
Unterkunft entpuppte sich als Absteige für Gast- und Fremdarbeiter.
Mengenweise dubiose Gestalten, die Türen nur mit anständigem Krach
schließen konnten. Nach dem Abendessen in der Pizzeria Pirates ging Alex
unter die Dusche und setze Bad und Zimmer unter Wasser. Jetzt wußte ich
auch, warum 2 Aufnehmer im Bad lagen! Nach dem großen Putzen warteten noch
die Feuer, um auf den PC überspielt zu werden.
Donnerstag, 28.04.05
Die Arbeiter gingen früh und sehr geräuschintensiv! Wir starteten um 8:30
in den sonnigen Tag und innerhalb von einer Stunde hatten wir 6 Feuer! Die
Landschaft war traumhaft. Wir fuhren durch Kiefernwälder, hinter denen man
das Meer nur erahnen konnte. Punta Alta, ein elitärer Ferienclub war unser
nächstes Ziel. Natürlich ließ man uns nicht in die Marina. 129 EUR sollte
das Ticket zum "Eintritt" in die Marina kosten. Also haben oben an der
Straße geparkt und Alex ist mit dem Rad an der Security-Schranke vorbei
gedüst.
In Castiglione della Pescaia machten wir ein schönes Picknick auf der
Bank. Nun verließen wir die Toscana und kamen nach Latium. Talamone ist
ein sehr schönes Örtchen mit Burg und alter Stadtmauer. Dort gab es eine
Kaffeepause. Weiter ging es zur 20 km entfernten Halbinsel Argentario. Dort
ist oberhalb des Ortes Ercole ein spanisches Fort mit Leuchtfeuer. Wir
waren gut in der Zeit und wollten das Fort besichtigen, aber die lange
italienische Mittagspause machte uns einen Strich durch die Rechnung!
Argentario hat 3 Übergänge, die parallel liegen. Sie sind nicht künstlich
errichtet sondern sind angeschwemmte Sandbänke. Auf der mittleren
Sandbank liegt der Ort Orbetello.
Weiter ging es südlich an zwei Powerstationen vorbei zur Stadt
Civitavecchia. Dort wimmelte es von Industrie. Als wir im Hafen waren
(wir wunderten uns, dass der Wächter uns ohne Kontrolle einfach die
Schranke öffnete) hupten plötzlich alle Fähren und Schiffe. Ein
ohrenbetörendes Getöse. Wir dachten, dass Schulschiff, was im anderen
Hafenbecken lag würde auslaufen, aber es kam ein Schiffkorso zu Ehren der
Schutzheiligen der Stadt. Auf dem 1. Schiff war die Heiligenfigur, Nonnen
und Restkatholiken, dahinter schipperte alles was sich gerade noch über
Wasser halten konnte. Altersschwache Fischerboote, Segelschiffe, rostige
Kähne. Als wir dachten, der Spuk wäre vorbei, ging das taubmachende Gehupe
erneut los und der Korso kam zurück. Am Michel-Angelo-Fort standen
tausende von Menschen, schwangen Fahnen und jubelten.
Ein Zimmer an solch einem Feiertag zu suchen erschien uns zwecklos. Wir
folgten an der Küstenstraße einem B&B-Schild (Via S. Gordiano, 68, Civitavecchia) und fanden eine moderne rosa
Villa, die zu moderaten Preisen edle Zimmer vermietete (Tel. 0766 370158) . Alles war pompös
eingerichtet, mit edlen Möbeln, viel Goldzeugs, mannshohen Figuren aus
Marmor im Wohnzimmer und Kitsch. Unser Zimmer hatte eine schöne große
Terrasse und ein edles Bad. Wir wagten uns trotz Stadtfest nach
Civitavecchia weil Gisela-Navi ein griechisches Lokal gefunden hatte. Den
gab es aber doch nicht. Weil die Stadt mit 1000 Buden und Fressständen
gepflastert war, fuhren wir raus zum Jachthafen und aßen Pizza (Hotel Ristaurante La Medu, Via Aurelia Sud 73C).
Freitag, 29.04.05
Schon um 7:15 schien die Sonne auf unsere Terasse. Das Frühstück inmitten
des Pomps war nicht so pompös wie erwartet. Überall Gold, aber wir aßen
mit Plastikbesteck. Senora Chiara servierte das Frühstück ganz italienisch
mit schwarzer Sonnenbrille. Sie war anscheinend vom Glanz ihrer Hütte
selbst geblendet!
Nach ein paar Feuern in San Mariella ging es 90 km auf die Autobahn nach
Fiumicino, der Ort wo auch der römische Flughafen ist. Natürlich war auch
hier eine Schranke und Alex mußte wieder mit dem Rad feuern. Das gleiche
Spiel in Ostia. Die Mündung des Riva Tevere war beidseitig befeuert. Die
Gegend dort war extrem dreckig und ungemütlich. Nun ging es wieder auf die
Autobahn nach Anzio. Der Ort ist ein Doppelort und geht nahtlos in Nettuno
über. Wenn man Nettuno in südliche Richtung verläßt kommt man durch einen
Wald, in dem die leichten Damen schon morgens ihrem Gewerbe nachgehen.
Zwischen Lido di Latina und Montes Felipe liegt ein Naturschutzgebiet. Eine
Sanddüne hat eine Lagune vom Meer abgeteilt. Nur leider sieht man das Meer
nicht. Die Schönen und die Reichen haben sich hinter Mauern verschanzt.
Auf dem Monte Cicero (hier soll Circe angeblich Odyseus bezirzt
haben) steht ein Leuchtturm. Der Weg lohnt sich, denn die Aussicht ist
phantastisch.
Nun fuhren wir nach Terracina, der Ort, in dem Gerhard Polt seine Satiere
"Man spricht deutsch" gedreht hat. Also vom Hafen aus fand ich den Ort gar
nicht so übel. Nicht besser oder schlimmer als andere italienische
Urlaubsorte.
Der Himmel zog sich etwas zu und wir fuhren weiter nach Gaeta, obwohl es
schon 18:00 Uhr war. Unterwegs rief Guido an um uns über die Rückflüge zu
informieren. Welcher Flieger war denn nun weniger überbucht?
Rom-Düsseldorf oder Rom-Mailand-Düsseldorf? Es sah jedenfalls nicht gut
aus. Dafür fuhren wir durch eine landschaftlich schöne Gegend.
Küstenstraße an Steilküste ohne Bebauung (selten in Italia). Dank Gisela
fanden wir die Pension Rock Garden, die vom Reiseführer Michael Müller
empfohlen wurde, sehr schnell. Mit viel Diplomatie und den schönen Augen
von Alex, bekamen wir das Studio mit Küche und Terrasse für 50 EUR. Da es
anfing zu regnen, gingen wir direkt in das Lokal nebenan.
Samstag, 30.04.05
Wir hatten beschlossen heute nach Hause zu fliegen, weil die meisten freien
Plätze auf der Direktmaschine waren. Also schnell gepackt und los zum
Feuern, denn die Maschine flog erst um 15:00. Das 1. Feuer, der Leuchtturm
Orlando war direkt eine Wanderstrecke. Ich wurde an der Kathedrale geparkt
(zum Glück gab so früh morgens Parkplätze) und Alex quälte sich mit dem
Rad den Berg hinauf. Ich hatte derweil ein herrliche Aussicht auf die
Altstadt. Die nächsten Feuer waren militärisch aber gut zu kriegen, obwohl
ein amerikanisches Kriegsschiff im Hafen lag. Beim nächsten Feuer auf
einer Fischereimole wurde Alex verhaftet! Ja, vom Hafenmeister verhaftet,
dem nicht gefiel, dass Alex mit seinem Rad auf die Mole fuhr, nachdem er
uns den Zutritt per Auto schon verwehrt hatte. Nach einer Stunde kam mein
Gatte mit einem Security-Ausweis am Körper zurück, der ihn berechtigte,
alle Molen von Gaeta zu befahren. Mein Mann ist ein Genie! Der
Hafenmeister hat sich übrigens entschuldigt.
Nach so viel Aufregung machten wir Feierabend und machten uns auf zum
Flughafen. Wir bekamen auch noch einen Platz auf dem Rückflug.
Wir freuen uns schon auf 2006. Da feuern wir in Bella Italia weiter.